Teheran kommt Westen bei Atom-Kontrolle entgegen

21. August 2009, 17:00
10 Postings

IAEA-Bericht zur Vorbereitung internationalen Treffens im September - Merkel für Energie-Sanktionen gegen Teheran

Wien - Der Iran hat Beschränkungen für UN-Kontrollen an seinen Atomanlagen wieder gelockert. Erstmals seit einem Jahr habe die Islamische Republik den Inspektoren wieder Zugang zum Schwerwasserreaktor in Arak gewährt, sagten Diplomaten am Freitag in Wien. Die Mitarbeiter der Internationalen Atomenergie-Behörde IAEA (IAEO) besichtigten den Reaktor bereits vergangene Woche. Die offenere Haltung des Islamischen Republik kommt kurz bevor die IAEA ihren jüngsten Bericht zum Iran vorlegt, der als Vorbereitung eines Treffens der 150 Mitgliedsländer im September dienen soll.

Inspektoren der IAEA besuchten den Diplomaten zufolge in der vorigen Woche den fast fertigen Schwerwasserreaktor der Atomanlage Arak. In einem Schwerwasserreaktor fällt der Atombombenstoff Plutonium an. "Schweres Wasser", das ein Isotop des Wasserstoffs enthält, spielt außerdem eine Rolle bei der Kernfusion - und beim Bau von Wasserstoffbomben. Der Iran freilich versichert, dass der Reaktor in Arak vor allem der Medizin diene, etwa im Bereich der Strahlentherapie von Krebserkrankungen.

Ein Jahr lang hatte der Iran den internationalen Kontrolleuren den Zutritt zu dem Reaktor in Arak verweigert. Die Regierung gab ferner dem Ersuchen der IAEA statt, die Anlage zur Urananreicherung in Natanz stärker inspizieren zu dürfen. Die Anlage produziert Material für atomaren Brennstoff. Durch eine weitere Anreicherung kann spaltbares Material für Atomwaffen daraus hergestellt werden.

Bereits am 2. September trifft sich die internationale Verhandlungsgruppe im Atomstreit mit dem Iran. Westlichen Diplomaten zufolge wollen die USA, Deutschland, Frankreich und Großbritannien bei dem Treffen China und Russland dazu drängen, eine vierte Runde von Sanktionen gegen den Iran zu befürworten. Die Entscheidung dürfte auch auf Basis des kurz bevorstehenden IAEA-Berichts zum Iran fallen.

Diplomaten sagten, es sei unklar, ob das Entgegenkommen des Iran kurz vor dem IAEA-Treffen etwas Einmaliges sei. "Ich hoffe, das wird der Beginn einer nachhaltigen Zusammenarbeit", sagte ein Diplomat. Ein anderer äußerte deutliche Zweifel. "Man muss das im Kontext sehen. Der Iran blockt ein Jahr alles ab und erlaubt dann den Zugang knapp vor dem IAEA-Treffen", sagte er.

Der Iran erklärte sich vor kurzem auch bereit, weitere Inspektionen der nuklearen Anreichungsanlage in Natanz zuzulassen. Die IAEA hatte bemängelt, dass die gesteigerten Aktivitäten der Anlage immer schwerer im Blick zu halten seien. Zuletzt hatte der Iran jedoch die Kameras und andere Methoden der Überwachung nachgerüstet, um den Anforderungen der IAEA zu genügen.

Zahlreiche Staaten werfen dem Iran vor, heimlich an Atomwaffen zu arbeiten. Die iranische Regierung erklärt dagegen, nicht an Atombomben interessiert zu sein und die Technologie lediglich zur Stromerzeugung zu nutzen. Der Iran ist trotz seines Ölreichtums auf Benzin-Einfuhren aus dem Ausland angewiesen.

In einem Interview der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) sprach sich Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag für Sanktionen im Energiebereich aus. Vor diesem Hintergrund plädierte Merkel für weitere Sanktionen gegen den Iran, falls es im Atomkonflikt keine Fortschritte geben sollte. Klar sei, dass es keine Atombombe in der Hand des Iran geben dürfe. Dies gelte trotz Klagen der deutschen Wirtschaft, dass sie unter Sanktionen stärker leiden würde als amerikanische Unternehmen.

Die deutsche Wirtschaft reagierte skeptisch auf Merkels Forderungen. So sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Axel Nitschke: "Der Konflikt mit dem Iran ist im Kern eine politische Frage, die jetzt auch von der Politik gelöst werden muss. Es ist dabei aber wichtig, dass die deutschen Unternehmen nicht schlechter als die ausländische Konkurrenz gestellt werden." (APA/Reuters/AP)

Share if you care.