Der irakische Sumpf

20. August 2009, 19:25
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Die Anschlagsserie in Bagdad ist nur der Höhepunkt einer Entwicklung, die bereits zu Jahresbeginn eingesetzt hat

Der erste Monat nach Rückzug der US-Truppen aus den irakischen Städten und Wohngebieten läuft nicht gut. Die Anschlagsserie in Bagdad am Mittwoch mit ihren 100 Toten ist nur der Höhepunkt einer Entwicklung, die bereits zu Jahresbeginn eingesetzt hat - und die die irakische Regierung von Nuri al-Maliki in einer Art Machbarkeitsrausch geflissentlich übersehen wollte.

Auf die bittere Realität, dass die irakischen Sicherheitskräfte die Lage eben doch nicht im Griff haben, reagiert die Regierung mit Verhaftungen von Sicherheitsleuten. Aber auch wenn ihnen konkrete Versäumnisse nachgewiesen werden: Das Problem bleibt das System. Und für dieses besteht mittelfristig wenig Hoffnung. Wie ein US-Offizier es vor kurzem in einem geheimen Memorandum formulierte: "Falls es jemals die Chance gegeben hat, im Irak die Saat einer professionellen militärischen Kultur zu säen, dann ist sie jedenfalls vorbei. Die US-Truppen werden nicht lange genug dort sein und nicht genug Einfluss haben, um das zu ändern." Colonel Reese schloss übrigens daraus, dass es für die USA besser sei, den Irak früher als später zu verlassen.

Das sagt sich leicht, aber auch Barack Obama, der diesen Krieg nicht wollte, hat als US-Präsident politische Verantwortung dafür. Vor wenigen Tagen dachte ein anderer US-Offizier laut darüber nach, ob man in die Ortschaften der zwischen Kurden und Arabern umstrittenen Gebiete nicht doch wieder US-Truppen schicken sollte, um die Bewohner vor dem wachsenden Terror zu schützen. Obama bekommt seinen Fuß nicht frei, er steckt fest im irakischen Sumpf. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 21.8.2009)

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