Vertrauen ist das große Thema im Tiroler Bergdorf

20. August 2009, 19:22
posten

Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon wird in Alpbach erwartet - Organisator Busek plädiert für Kommissars-Hearing

Wien - Beratungen über die Auswege aus der Finanzkrise stehen im Zentrum des heurigen Forums Alpbach. Am Donnerstag wurde das inzwischen traditionelle Diskussionsforum in dem Tiroler Bergdorf eröffnet. Neben der Ökonomie drehen sich die Diskussionen auch heuer wieder um Politik, Wissenschaft und Technologie, aber auch um Gesundheit.

Als verbindendes Element zwischen den verschiedenen Blöcken sollen laut dem Präsidenten des Forums, Erhard Busek, Debatten rund um die Bedeutung von "Vertrauen" fungieren. Die zentrale Frage laute, wie Vertrauen in Politik und Wirtschaft wiederhergestellt werden kann.

Mag das Generalthema auch etwas allgemein klingen, so haben sich dennoch neben österreichischen Politikern auch wieder zahlreiche prominente Gäste aus dem Ausland angekündigt. So wird UN-Generalsekretär Ban Ki-moon am 30. August als Eröffnungsredner der politischen Gespräche erwartet. Kommen will auch EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner. An den Wirtschaftsgesprächen wird ihre Kollegin, Viviane Reding, Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, teilnehmen. Erwartet wird weiters Friedensnobelpreisträger Matti Ahtisaari und der Chef der Uno-Friedensmissionen Alain Le Roy.

Zu den Technologiegesprächen, die am 26. August beginnen, werden gleich vier Nobelpreisträger anreisen, darunter der Brite Martin Evans (Medizin) und der deutsche Robert Huber (Chemie). Anmeldungen für Alpbach werden noch entgegengenommen, allerdings muss eine Teilnahmegebühr von 500 Euro pro Gespräch entrichtet werden. Studenten zahlen die Hälfte. Das Forum Alpbach dauert bis zum 5. September.

Als einen der Höhepunkte der Seminarreihe bezeichnet Alpbach-Organisator Busek die Bankengespräche, bei dem die Verantwortung der Finanzinstitute an der Krise diskutiert werden soll. "Die Bankenvertreter dürften dabei nicht nur Erfreuliches zu hören bekommen", sagt Busek. Er erwartet sich aber auch Erkenntnisse von der kritischen Auseinandersetzung mit den Wirtschaftswissenschaften: "Gerade die Ökonomen haben sich ja während der Krise nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert", sagt Busek.

Der frühere Vizekanzler ging im Standard-Gespräch auch auf die Diskussionen rund um ein mögliches Hearing für Österreichs Kandidaten bei der EU-Kommission ein. "Man sollte auf jeden Fall ein Hearing machen", sagte Busek. Noch wichtiger wäre aber, wenn die Regierung endlich die österreichischen Interessen in der EU klar definiert und bekanntgibt, welchen Kommissarsposten sie überhaupt anstrebt. (szi/DER STANDARD, Printausgabe, 21.8.2009)

Share if you care.