Präsident kündigt "Ausrottung" der Huthi-Rebellen an

20. August 2009 18:52
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Seit 2004 flammt der Konflikt im Nordwesten immer wieder auf - Ali Abdullah Salih hat nun eine Großoffensive angeordnet


Sanaa/Wien - Der jemenitische Langzeitpräsident Ali Abdullah Salih kündigte diese Woche so etwas wie einen totalen Krieg an: Seine Regierung werde "Waffen kaufen und Festungen bauen statt Schulen, wir werden sie ausrotten, wo und wie auch immer".

"Sie", das sind die Huthi-Rebellen, gegen die seit der Vorwoche im Jemen eine neue Regierungsoffensive läuft. Zehntausende Zivilisten sind wieder vor Kämpfen in der Provinz Saada in der nordwestlichen Grenzregion auf der Flucht. Weder Rebellen noch Armee nehmen Rücksicht auf sie. Im Sommer 2008 hatte Salih den Krieg, der sich damals fast bis vor die Hauptstadt Sanaa erstreckt hatte, bereits für beendet erklärt. Im Frühjahr 2009 bröckelte die Waffenruhe ab.

Gemeinsam mit dem separatistischen Konflikt im Süden des Landes und dem wachsenden Einfluss jihadistischer Terrorgruppen hat die Huthi-Rebellion ein ernstzunehmendes Destabilisierungspotenzial für den Jemen. Beobachter fürchten, dass der Jemen Teil eines von Al-Kaida-affinen Gruppen und dem organisierten Verbrechen dominierten Raums werden könnte, der sich dann von Kenia über Somalia bis Saudi-Arabien erstreckt.

Auslöser war der Irak-Krieg

Die Huthi-Rebellion begann 2003/2004 mit Protesten gegen die US-Invasion im Irak; als der Anführer der "Shabab al-Mu'minin" (Jugend der Gläubigen) genannte Gruppe, Hussain al-Huthi, ein früherer Parlamentsabgeordneter, sich der Verhaftung durch die Behörden entzog, antworteten diese mit Gewalt. Hussain al-Huthi wurde im September 2004 getötet, sein Bruder Abdulmalik führt den Aufstand weiter. Trotz teilweiser Beruhigung flammte der Konflikt seitdem immer wieder auf und hat bereits tausende Tote gefordert.

Die Huthis sind ein zaiditischer Clan; der - sich über die Jahre mit neuen Akteuren und neuen Bezügen verkomplizierende - Konflikt wird als einer zwischen zaiditischer Minderheit und sunnitischer Mehrheit dargestellt. Die Zaiditen sind eine schiitische Sekte, die - anders als die Mehrzahl der Schiiten - nur fünf anstelle der zwölf Imame anerkennt (deshalb heißen sie auch Fünfer-Schiiten, die imamitische Schule im Iran, Irak, Libanon etc. sind hingegen die Zwölfer-Schiiten).

Wobei Praxis und Riten der Zaiditen dem sunnitischen Islam im Jemen näherstehen als der Schia im Iran - der von Jemens Regierung beschuldigt wird, die Huthi-Rebellion zu unterstützen. So hat der Konflikt auch eine starke regionale Komponente. Denn die Huthis beklagen ihrerseits die US-Freundlichkeit der jemenitischen Regierung sowie den wachsenden ideologischen Einfluss Saudi-Arabiens mit seinem puristischen Islam, der Zwölfer-Schiiten gerade noch duldet, für den jedoch alle anderen schiitischen Sekten Häresien sind.

Alte Herrscherdynastie

Es geht aber nicht so sehr um Religion als um verlorene Macht. Die Zaiditen, die im Nordjemen fast tausend Jahre lang regierten, waren bis 1962, als der Sturz der Monarchie im Jemen erfolgte, an der Macht. Sanaa wirft ihnen vor, wieder ein zaiditisches Imamat errichten zu wollen. Die Huthis ihrerseits beschuldigen Sanaa, ihre Provinz sozial und wirtschaftlich zu vernachlässigen - ein Problem, das in die Zeit des Bürgerkriegs in den 1960er-Jahren, als Saada eine Rebellenhochburg war, zurückreicht.

Ihre eigene Agenda haben indes Huthi-Sympathisanten im Irak: Schiitische Abgeordnete in Bagdad schlugen am Donnerstag vor, den zaiditischen Führern im Irak Asyl zu gewähren. Sie sagen offen dazu, dass das als Retourkutsche dafür gedacht ist, dass der Jemen Saddam-Baathisten beherbergt.  (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 21.8.2009)

MySinn.at
11.09.2009 11:20
Wiedermal ....

stellt sich die Frage wer wen unterstützt.
Erst seit dem Jahr 2000 ist der Grenzverlauf mit Saudiarabien (Abkommen von Dschidda) geklärt; also wäre es interessant zu fragen wer, abgesehen von internationalen Waffenhändlern, am meisten von einer Destabilisierung dieser Region profitiert !

xx Hour1
25.08.2009 21:24

die wörter des jemen präsidenten scheinen nur Angeberei zu sein.
Nach meiner infos die Jemenitische armee flieht vor der Rebellen.
Die offensive steckt fest.

schnurri (so heisst mein auto)
08.09.2009 13:42

ohne das jetzt genau zu recherchieren, aber ich mach mir da wenig sorgen:
http://en.wikipedia.org/wiki/Mili... y_of_Yemen
mig-21 jagdbomber und das andere sowjetische 60er jahre zeug, wobei die mi-8 hubschrauber - trotz 1961 design - noch immer state of the art sein duerften (stueckkosten 5-8 mio $):
http://en.wikipedia.org/wiki/Mil_Mi-8
sollten zum ausmorden von ein paar fundamentalisten doerfern schon ausreichen.

Truthlobby
21.08.2009 09:58
meine güte

wenn die propheten damals schon elektronische archivierungssysteme gehabt hätten wär das alles nicht passiert!
wobei, dann würde wohl über die versionsnummern der verse gestritten..

theEdge
 
21.08.2009 08:04

da soll sich noch wer auskennen.

Alfred Almeder
21.08.2009 09:01
Weise Erkenntnis

Die Heterogenität des Islam und der politischen Hintergründe besonders im Nahen u. Mittleren Osten ist hier deutlichst dargelegt worden. Deshalb sind die Vereinfachungen wie wir sie im Westen praktizieren nicht nur dumm sondern äußerst kontraproduktiv. Die Trennlinie zwischen pro-und antiwestlich, fundamentalistisch und moderat-tolerant geht durch die einzelnen Konfessionsrichtungen und Staaten bzw. Regionen. Wenn wir im Westen glauben, dass alles kategorisierbar und clusterbar ist, kommen jene katastrophalen Ergebnisse wie im Irak und Afghanistan raus.

Gebhard von Bluecher
12.11.2009 18:36
Cluster und Kategorien

sinnvoll wäre es doch, sich dort rauszuhalten und die
Angelegenheiten einer internen Regelung zu überlassen. Mit unserer Demokratie-Exportmanie
giessen wir stattdessen immer feste Öl ins Feuer

Tumor mit Humor
21.08.2009 11:32
Schön, dass die Leute dort auch ohne den Westen

immer genau wissen, was am besten für sie ist. Ich fürchte, es bleibt zuviel verlangt, die gesamte Welt über jede Verwicklung einer religiösen Paranoia detailliert informieren zu wollen.

Sie sind eben halbdomestiziert und haben Waffen zur Verfügung - und das ist das Ergebnis.

Curd Hombre
21.08.2009 07:37
Furchtbar.....

....wenn sich der mensch so bekriegt und als Erklärung dafür nur größere Organisationen, Religion oder sonstwas vor sich herschiebt!

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