Es war einmal im Schlaraffenland

20. August 2009, 18:41
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Die Klubs sind verschuldet, die Stars kicken eher in England oder Spanien. Für vier Österreicher fanden sich Plätze

Rom - So schaut's in Italien aus: Ausgerechnet Ministerpräsident und AC-Milan-Besitzer Silvio Berlusconi hat sich für Gehaltsobergrenzen im Profi-Fußball ausgesprochen. "Die Gehälter befinden sich außerhalb jeder Realität, sind nicht mehr im Einklang mit den wirtschaftlichen Voraussetzungen. Es muss ein Salary Cap wie in den USA eingeführt werden. Für ganz Europa."

Maurizio Beretta, der Ex-Generaldirektor des italienischen Unternehmerverbandes Confindustria, wird in ein paar Tagen zum Präsidenten der Liga bestellt, darauf haben sich die Chefs der Serie-A- und -B-Klubs geeinigt. Es dürfte eine kurze Amtsperiode werden, Beretta soll lediglich die im Juli 2010 geplante Trennung von Serie A und B vorbereiten. Als Vorbild dient die englische Premier League, die sich 1992 selbstständig machte. Den italienischen Zweitligisten sollen als Entschädigung finanzielle Mittel in Höhe von 75 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden.

Am Wochenende beginnt im ehemaligen Schlaraffenland die neue Saison. In den vergangenen zehn Jahren wurden im Oberhaus kaum zwei Milliarden Euro versenkt. Der Zuschauerschnitt ist von 31.000 auf 25.000 gesunken. Man habe sportlich den Anschluss an Spanien und England verloren, Deutschland stehe wirtschaftlich viel besser da, schreibt die Gazzetta dello Sport. "Obwohl wir der amtierende Weltmeister sind."

Italiens Teamchef Marcello Lippi und Inter Mailands portugiesischer Coach José Mourinho sind rechtzeitig aneinandergeraten. Nachdem Lippi seinen Ex-Verein Juventus Turin als Favorit bezeichnet hatte, warf ihm Mourinho "mangelnden Respekt" vor. "Ein Nationaltrainer darf einfach solche Einschätzungen nicht abgeben." Lippis Konter: "Ich dachte, er ist eine intelligente Person."

Notverkäufe

Titelverteidiger Inter Mailand, der den fünften "scudetto" in Serie anstrebt, soll von 2006 bis 2008 Verluste von 355 Millionen Euro gemacht haben. Der AC Milan musste aus finanziellen Gründen seinen brasilianischen Superstar Kaka für 65 Millionen an Real Madrid verkaufen. Auch Juve hat das Lohnschema reduziert.

Immerhin ist in Italien Platz für vier Legionäre aus Österreich. Inter engagierte den derzeit verletzten Marko Arnautovic, hat sich aber abgesichert. Sollte der Mittelfußbruch des Stürmers nicht heilen, endet das Gastspiel nach einem Jahr. Die Mailänder haben am Transfermarkt ein Plus erwirtschaftet, Barcelona wollte Zlatan Ibrahimovic unbedingt haben. Für 45 Millionen plus Samuel Eto'o durfte der Schwede weg. So konnte man sich Lúcio, Thiago Motta und Diego Milito leisten.

Tormann Alexander Manninger hat seine Karriere im österreichischen Nationalteam beendet, er konzentriert sich voll auf die Reservistenrolle bei Juve. Vor ihm steht bekanntlich Gianluigi Buffon. Die Turiner holten Diego, Felipe Melo, Martin Caceres und Fabio Cannavaro.

Napoli gilt als Außenseiter. Der Chef, Filmproduzent Aurelio De Laurentiis, machte 41,8 Millionen locker. Fünf davon wurden in Erwin Hoffer investiert, das war ein Schnäppchen. Der 22-jährige Hoffer muss sich erst in die Stammelf spielen. "Das habe ich gewusst, ich werde um ein Fixleiberl kämpfen."

Verteidiger György Garcis, von 2006 bis 2008 eher sporadisch für Napoli tätig, nimmt seine zweite Saison mit Atalanta Bergamo in Angriff. Der Ex-Rapidler wurde von Bergamo inzwischen fix erworben. Der Vertrag soll verlängert werden. (red - DER STANDARD PRINTAUSGABE 20.8. 2009)

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    Erwin Hoffer wird von Trainer Roberto Donadoni genau beobachtet. Napoli sieht den Ex-Rapidler als langfristige Investition. Kurzfristig wird er eher auf der Bank sitzen.

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