Die neuen Machtverhältnisse

20. August 2009, 18:04
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Seit der Pleite von Lehman Brothers am 15. September 2008 und der weltweiten Krise herrscht auf den Kapitalmärkten nur ein Prinzip: Fressen oder gefressen werden. Der Kampf ums Überleben und um Marktanteile hat die Finanzwelt neu strukturiert. Die US-Investmentbanken waren vor der Krise die primären Geschäftspartner für die risikofreudige Hedgefonds-Industrie, etwa wenn es um Finanzierungen ging, und auch riskante Hypotheken- und Unternehmenskredite landeten über Umwege fast immer an der Wall Street.

Mit dem Ende der klassischen US-Investmentbanken und dem Versuch der meisten Geldinstitute, ihre Risikopositionen zurückzufahren, ist ein Vakuum entstanden. Große Hedgefonds, die ehemalige Investmentbank Goldman Sachs und die größte US-Bank JPMorgan Chase versuchen nun, diese Lücken zu füllen. Sie sind immer wichtigere "Prime Broker" geworden. Diese Händler verkaufen großen, aggressiven Playern am Finanzmarkt - meist Hedgefonds - riskante Wertpapiere und stellen ihnen auch Kreditlinien zur Verfügung. Zudem machen jene Geldinstitute, die wieder in der Gewinnzone sind und Staatshilfen zurückzahlen konnten, einen immer größeren Anteil am Aktienmarkt aus.

Derzeit prüft etwa die US-Börsenaufsicht die Rolle von High-Frequency Trading, also hochfrequenten Computersystemen, die im Millisekundentakt Wertpapiere handeln. Diese Programme handeln mittlerweile mehr als zwei Drittel aller Aktien (vor vier Jahren war es rund ein Drittel). Die schnellen Computer handeln mit sehr großen Volumina und nützen kleine Preisveränderungen aus, um große Gewinne zu erzielen. Das US-Beraterunternehmen Tabb Group rechnet damit, dass diese Handelssysteme jährliche Gewinne von rund 21 Mrd. Dollar (14,7 Mrd. Euro) erwirtschaften.

Ein US-Bankenanalyst bringt es auf den Punkt, wenn er etwa zu den Gewinnen von Goldman Sachs meint: "Die Gewinne von Goldman sind die Verluste von anderen Instituten." (sulu, DER STANDARD, Printausgabe, 21.8.2009)

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