"Die ABS-Branche wurde einfach überrollt"

20. August 2009, 18:03
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Alexander Patka erläutert, wie die Krise auf einem Markt für Profis ihren Anfang nahm

STANDARD: Was ist im August 2007 im Markt für verbriefte Kredite passiert?

Patka: Die Investoren, Kapitalanlagegesellschaften und Banken, haben ihr Risiko zurückgenommen und wollten alle rasch durch dieselbe Tür hinaus. Die ganze Branche für Asset-backed Securities (ABS) wurde überrollt.

STANDARD: Warum war dieser Markt so wichtig geworden?

Patka: Mit einem AAA-gerateten Kreditpapier (höchstmögliche Bonität, Anm.) hat man mehr verdienen können als mit einem vergleichbaren Papier von Staaten oder Unternehmen. Für unseren Fonds lag das Ziel beim Interbankenzins Euribor plus 75 Basispunkte. Das haben wir jahrelang auch erreicht.

STANDARD: Wie wurde auf die ersten Krisensignale reagiert?

Patka: Wir haben uns Mitte 2007 gefragt: Was gehen uns amerikanische fremdfinanzierte Häuserbauer an, wenn wir ein europäisches Portfolio halten? Wir sind davon ausgegangen, dass das ein temporäres Phänomen sein würde. Doch das Problem ist vom ABS-Markt auf andere Märkte übergegangen.

STANDARD: Von Normalität auf dem Markt für verbriefte Kredite ist noch immer nichts zu sehen.

Patka: Davon ist wirklich wenig zu spüren. Es gibt in Amerika in einigen Bereichen einen starken Aufholprozess, etwa im hochverzinsten Kreditbereich. Es hat mit den ABS, einem sehr sensiblen Markt, der für Finanzmarktprofis geschaffen wurde, begonnen. Die Krise wird dort auch wieder auslaufen. Wir glauben an den Markt. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Printausgabe, 21.8.2009)

Zur Person

Alexander Patka ist Direktor für Institutional Sales bei Sal. Oppenheim und betreut den Vertrieb von ABS-Fonds in Österreich, die vor der Krise in Summe 1,7 Mrd. Euro schwer waren.

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    foto: sal. oppenheim
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