Hartes Geschäft mit Eierschwammerln

20. August 2009, 17:59
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Sammler ernten für das Kilo zumindest drei Euro

Wien - So ein Eierschwammerl hat es nicht leicht. Zu viel Regen setzt ihm in seiner kurzen Lebensdauer ebenso hart zu wie große Hitze. Gegen die Konkurrenz aus Osteuropa kann es preislich nicht konkurrieren. Und ein kleiner Wurm genügt, um mitsamt den Kollegen im Müll statt in der Pfanne zu landen.

Das Image der Schwammerln ha-be sich verschlechtert, seufzt Fritz Oswald. Früher sei es etwas Besonderes gewesen, heute diene es den Supermärkten als billiger Lockartikel, den mancher Diskonter mitunter auch unter dem Einstandspreis verkauft. Oswald ist einer der größten Apfelhändler Österreichs und Spezialist für Früchte des Waldes.

Bis zu tausend Tonnen Schwammerln liefert er jährlich an Gastronomie und Handel, hundert Tonnen kommen aus Österreich. Sammler, die sich mit der Suche ein Körberlgeld verdienen, sind freilich weniger geworden. Es sind Bauern, Pensionisten und Familien, die Wälder nach Pilzen durchstreifen. Für das Kilo gibt es je nach Angebot an den Sammelstellen zwischen drei und acht Euro. Der Preis für die pflückfrische Ware schwankt fast täglich.

Die richtig großen Mengen kommen aber aus dem Osten. Nach Polen sprang Litauen aufs Schwammerlgeschäft auf, später Weißrussland und die Ukraine. Fast generalstabsmäßig durchkämmen tausende Sammler Wälder im Auftrag der Exporteure. Bis ihre Ernte die Regale des österreichischen Handels füllt, vergeht mehr als eine Woche.

Optischer Gewinn

Rein optisch gesehen könne ein russisches Schwammerl ein österreichisches schlagen, meint Georg Berger, der in seiner Ebert GesmbH Pilze im Radius von 120 Kilometer ums steirische Eppenstein vereint. Beim Aroma seien österreichische unübertroffen - was an der Bodenbeschaffenheit und seiner Mineralisierung liege, wie er versichert.

Dass pro Kopf und Tag nur zwei Kilo Pilze geklaubt werden dürfen, sorgt auch unter Verarbeitern für hitzige Debatten. Das Verbot sei ein Politikum, ärgert sich Berger. Der Mensch gehe seit tausenden Jahren in den Wald, keinen habe das gestört. Oswald, selbst ein Jäger, sieht das anders: Richtiggehend unverschämt seien Sammler geworden.

Für Norbert Holzinger liegt der Stolperstein woanders: Der Preisdruck der Diskonter mache das Geschäft schlicht unrentabel. Von aktuell nicht einmal fünf Euro für das Kilo könne keiner leben. Holzinger liefert Schwammerln an Spar, sein Hauptgeschäft bleibt die Zucht von Champignons. Rund 600 Kilo erntet er pro Tag. Bis zu fünf Tonnen schaffen seine polnischen Konkurrenten. "Es ist ein hartes Geschäft." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 21.8.2009)

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    Das österreichische Eierschwammerl kämpft mit billiger Konkurrenz aus dem Osten. Die Preise schwanken fast täglich.

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