Ortsumfahrung könnte an Fledermäusen, Lärm und Feinstaub scheitern

20. August 2009, 17:57
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Jahrzehntelanges Hin und Her wegen Umfahrungstrasse, die Kleinstadt entlasten soll

Wieselburg - Es ist ein echter Winzling, das "kleine Mausohr" . Sechs bis sieben Zentimeter ist die Fledermaus groß. Zu finden ist die vom Aussterben bedrohte Art zum Beispiel in der Gegend rund um Wieselburg im Westen Niederösterreichs. Was an sich kein Problem wäre, würden das Mausohr und zehn andere (zum Teil seltene) Fledermausarten nicht ausgerechnet jene Gegend bewohnen, durch die eine Ortsumfahrung für Wieselburg gebaut werden soll.

Seit Jahrzehnten gibt es ein Hin und Her wegen der Umfahrungstrasse, die die Kleinstadt merklich entlasten soll. Denn auf der B25, die durch Wieselburg führt, staut es regelmäßig, besonders im Winter, wenn Skifahrer Richtung Ötscher und Hochkar unterwegs sind. Im Herbst 2007 schritt Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) höchstselbst ein und gab grünes Licht für den Start der Baumaßnahmen. Nun liegen die Ergebnisse der Umweltverträglichkeitserklärung (UVE) vor.

Hans Wurzer und seine Mitstreiter in der Bürgerinitiative gegen den Umfahrungsbau haben sich durch die 32 Ordner geackert und wollen dabei einige Ungereimtheiten entdeckt haben - etwa die pelzigen Bewohner der potenziellen Umfahrungsstraße. Weiters, entnehmen die Umfahrungsgegner der UVE, würden während der Bauarbeiten die Feinstaubgrenzwerte überschritten, und ist die Straße erst fertig, wäre es trotz Lärmschutzwänden zu laut.

Die Bürgerinitiative arbeitet derzeit an ihrer Stellungnahme zur UVE, die in das Papierkonvolut eingearbeitet werden muss. "Wir werden sie mit Arbeit zuschütten" , sagt Wurzer in Richtung der damit befassten Beamten. Gemeinsam mit der - ebenso wie Wieselburg rot regierten - Gemeinde Petzenkirchen, durch die die Umfahrung führt, sollen auch alle erdenklichen Rechtsmittel ausgeschöpft werden. "Und wenn wir bis zum EuGH nach Luxemburg gehen." Wurzer schätzt, dass allein dieser Instanzenzug bis zum Jahr 2014 dauern könnte. Ausständig sind für das Projekt auch noch die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sowie eine mündliche Verhandlung.

Während also der Verkehr weiterhin durch Wieselburg rollt, setzen die Umfahrungsgegner auf den Faktor Zeit: "Je länger das Verfahren dauert, desto weniger Befürworter wird es geben." Wurzer hofft auch auf den Faktor Distanz: "Wir sind hier im Pröll-Land, da ist bekanntlich einiges möglich. Aber bei den Entscheidungen der Höchstgerichte hat selbst der Herr Landeshauptmann nichts mehr mitzureden."  (Andrea Heigl, DER STANDARD - Printausgabe, 21. August 2009)

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