Nanopartikel können schwere Lungenkrankheiten verursachen

20. August 2009, 15:38
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Studie: Es muss mehr auf die Risiken der winzigen Teilchen geachtet werden

Genf/Peking - Nanopartikel in Farben können bei Menschen schwere Lungenkrankheiten verursachen und sogar zum Versagen des Organs führen. Zu diesem Schluss kommen chinesische Forscher in einer Studie, die in der September-Ausgabe der Zeitschrift "European Respiratory Journal" (Bd. 34, S. 559) der Europäischen Respiratorischen Gesellschaft in Genf veröffentlicht wird. Gerade vor dem Hintergrund, dass Nanotechnologie ein Wachstumsmarkt sei, müsse mehr auf die Risiken der winzig kleinen Partikel geachtet werden.

Untersuchung

Die Forscher um Yuguo Song vom Chaoyang Krankenhaus in Peking hatten 2007 und 2008 eine Gruppe von 18 bis 47 Jahre alten Arbeiterinnen untersucht. Diese hatten in einer 70 Quadratmeter großen Halle eine Maschine gesteuert, die weiße Polyacrylat-Farbe auf Kunststoffplatten sprühte. Nachdem die zuvor gesunden Frauen fünf bis 13 Monate in dieser Halle gearbeitet hatten, klagten sie über massive Lungenprobleme. Zudem hatten sie einen juckenden Ausschlag auf den Armen und im Gesicht.

Die Untersuchung zeigte, dass alle sieben Arbeiterinnen an einer Lungenfibrose litten. Dabei bildet sich verstärkt Bindegewebe in der Lunge, die zunehmend versteift. Betroffenen fällt es schwerer, zu atmen, die Sauerstoffversorgung wird eingeschränkt. Zwei der Frauen starben binnen zwei Jahren.

Eingelagerte Nanopartikel

Bei Analysen von Lunge und Brustfell wurden bei den Frauen Nanopartikel von rund 30 Nanometer Durchmesser gefunden, die sich in den Zellen und im Blut des Gewebes eingelagert hatten. Sie stammten aus der Farbe, die von den Frauen täglich verwendet wurden. Die Symptome, Untersuchungsergebnisse und das Fortschreiten der Krankheit unterschieden sich deutlich von solchen, die beim Inhalieren normaler Farbe aufträten, erläutert Song in einer Mitteilung zu der Studie.

Wie hoch die Konzentration der Partikel in der Raumluft gewesen sei, könne nicht mehr gemessen werden, da die Werkshalle geschlossen wurde, heißt es in der Studie weiter. Die Halle habe aber keine Fenster gehabt, die Tür sei stets geschlossen gewesen - und die Lüftungsanlage habe monatelang nicht funktioniert. Als Schutz vor den giftigen Dämpfen habe es lediglich kleine Stoffmasken gegeben, die von den Frauen aus Unwissenheit über die Gefahren aber nur sporadisch genutzt wurden. Rund sechs Kilogramm Farbe seien täglich in der Halle verarbeitet worden.

Einsatz in der Industrie

Die Verwendung winzigster Partikel ist für viele Industriebranchen interessant, weil sie nützliche chemische und physikalische Eigenschaften besitzen. Ihre Winzigkeit birgt allerdings auch die Gefahr, dass sie viel eher die natürlichen Barrieren im Körper überwinden - die Blut-Hirn-Schranke etwa. Japanische Forscher veröffentlichten vor kurzem eine Studie, der zufolge Nanopartikel die Hirnentwicklung bei Föten beeinflussen können. In Tierversuchen wurde mehrfach gezeigt, dass Nanopartikel zu Entzündungen der Lunge führen. (APA/red)


Link
European Respiratory Journal (Studientitel: "Exposure to nanoparticles is related to pleural effusion, pulmonary fibrosis and granuloma")

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    Eine Arbeiterin in einer chinesischen Fabrik - ohne geeignete Schutzmaßnahmen können Nanopartikel schwere Lungenkrankheiten verursachen.

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