Entscheidung für "TT" soll in nächsten Tagen fallen

20. August 2009, 15:08
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Petz will kolportiertes Konkurrenzprodukt nicht unterschätzen - Ortet Rückenwind für kartellrechtliche Genehmigung für Joint Venture mit Styria

Groß- oder Kleinformat? Die Frage, wie der Innsbrucker Platzhirsch, die "Tiroler Tageszeitung", künftig erscheinen wird, soll noch im August entschieden werden. Während es lange hieß, die "TT" werde im Winter auf das kleinere Format umgestellt, mehren sich derzeit die Gerüchte, alles könnte beim Alten bleiben. Ob groß oder klein - vor einem Konkurrenzprodukt, das von Tiroler Investoren in Kooperation mit "Oberösterreichischen Nachrichten", "Salzburger Nachrichten" und Mediaprint auf den Tiroler Medienmarkt gebracht werden könnte (DER STANDARD berichtete), fürchtet sich Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender der Tiroler Moser Holding, nicht: "Viel Feind viel Ehr'."

Unterschätzen will er den Angriff dennoch nicht. "Wir verhalten uns so, als würden wir vom größten Medienkonzern der Welt angegriffen werden." Die Moser Holding sei ihrerseits "gut aufgestellt und kampferprobt - wir werden alles einbringen, was wir aufbieten können". Durch das kolportierte Projekt, dem der Herausgeber der "Oberösterreichischen Nachrichten", Rudolf Cuturi, im STANDARD immerhin "mehr als 50 Prozent Chancen" eingeräumt hat, sieht sich Petz aber auch darin bestärkt, dass einem Joint Venture von Moser Holding und der Styria Media Group AG auf Regionalebene kartellrechtlich nichts im Weg steht.

Rückenwind

"Die Medienvielfalt ist gewährleistet. Wenn es in Tirol möglich ist, eine Kaufzeitung zu platzieren, dann ist das auch überall sonst noch möglich", so Petz. Dadurch habe sich die "Zuversicht auf eine rasche Genehmigung der Bundeswettbewerbsbehörde für das Joint Venture gesteigert". Sollte das kolportierte Konkurrenzprojekt für Tirol nicht den Erwartungen entsprechen, könnte sich Petz nach wie vor Kooperationen mit den beteiligten Verlagshäusern vorstellen. Synergien könnte man - auch österreichweit - etwa bei Produktion, Druck und Zustellung nutzen.

Für die neue Aktiengesellschaft aus Moser Holding und den Styria-Regionalmedien, die derzeit bei der Bundeswettbewerbsbehörde auf ihre Bewilligung wartet, soll es künftig einen fünfköpfigen Vorstand und einen Aufsichtsrat geben. Vorbehaltlich der Genehmigung durch den Aufsichtsrat wird Petz den Vorstand leiten. Der Chef der Styria Media Group, Horst Pirker, soll demnach dem Aufsichtsrat vorstehen. Die AG sei nach wie vor offen für weitere Partner, so Petz.

"Um uns muss sich niemand Sorgen machen"

Bis es soweit ist, widmet sich Petz der Moser Holding, über die es zuletzt hieß, sie hätte Verbindlichkeiten im dreistelligen Millionenbereich.  Der Vorstandsvorsitzende weist dies zurück. "Um uns muss sich niemand Sorgen machen. Wir sind solide finanziert - das Fremdkapital ist so hoch, wie zu meinem Amtsantritt und in der Zwischenzeit haben wir ja viel bewegt." Freilich geht die Finanzkrise auch an dem Tiroler Medienhaus nicht völlig spurlos vorbei. Der Einbruch der Stellenmarktumsätze konnte in Tirol aber durch Kostenoptimierungen aufgefangen werden. "Ich gehe davon aus, dass die Talsohle der Krise mittlerweile erreicht ist - wir haben aber noch genug Polster, um gegebenenfalls weitere Rückgänge zu verkraften."

In Oberösterreich wurde den drastischen Rückgängen bei den Rubrikenumsätzen dadurch entgegengewirkt, dass die "Rundschau am Sonntag" seit Anfang August nicht mehr gratis abgegeben wird. Petz bewertet dieses Projekt unter betriebswirtschaftlichem Fokus, eine Gratisabgabe sei unter dem Aspekt nicht erfolgreich, meint er. Anders ist es bei den regionalen Gratis-Wochenblättern, die die Moser Holding gemeinsam mit der Styria im Gratiszeitungsring betreibt. Diese Lokalprodukte seien mit der Sonntags-"Rundschau" nicht zu vergleichen, Bezirksberichterstattung funktioniere weiterhin gratis, so Petz. (APA)

 

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