"Martin Scorsese. Das Gesamtwerk." In Wien.

20. August 2009, 14:10
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Retrospektive zum Ehrenpräsident des Filmmuseums ab 28. August - Besuch der Hollywod-Legende für September geplant

Wien - Mit einem fulminanten Auftaktprogramm läutet das Österreichische Filmmuseum die neue Saison ein: Das Gesamtwerk von Martin (Marcantonio Luciano) Scorsese gilt es ab 28. August zu würdigen, der 66-jährige US-Regisseur wird aller Voraussicht nach Ende September auch persönlich in Wien sein. Der Ehrenpräsident des Hauses soll gemäß einer Anfrage der APA seinen neuen Thriller "Shutter Island" mit Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley und Michelle Williams vorstellen, der dann am 9. Oktober regulär in Österreichs Kinos kommt.

Bis dahin gibt es aber bereits eine Unzahl von modernen Klassikern des Weltkinos zu entdecken und feiern. Dazu können einige zu Unrecht etwas in Vergessenheit geratenen Werke gesichtet werden, etwa die 1920er- bzw. 1980er-Stadtgefühlsstücke "New York, New York" und "After Hours". Und eventuell könnte eine in Arbeit befindliche Dokumentation über den Regisseur Elia Kazan (1909-2003, ein Geistesverwandter in seiner Zusammenarbeit mit Method-Acting-Hauptdarstellern, siehe: Brandon, Marlon) in Wien ausschnittsweise zu sehen sein.

"Kein lebender Hollywoodfilmemacher kann sich in seiner Bedeutung mit Martin Scorsese messen", leitet das Filmmuseum seine Ausführungen zum Oscar-Preisträger ein. Dabei musste der große Cineast 64 Jahre alt werden, um für das Thriller-Remake "Departed - Unter Feinden" endlich einen Academy Award für die beste Regie zu erhalten. Die höchste Anerkennung der amerikanischen Filmwelt hätte Scorsese eigentlich schon viel früher verdient - etwa für "Taxi Driver" (1976) oder vier Jahre später für das Boxer-Drama "Raging Bull" ("Wie ein wilder Stier"), für das Robert De Niro den Darsteller-Oscar erhielt, oder für "The Age of Innocence" (1993), oder für "Casino" (1996), oder ...

Mit "Taxi Driver" nach dem Drehbuch von Paul Schrader hat Scorsese einst den internationalen Durchbruch geschafft und dabei seinen Lieblingsschauspieler De Niro zum Weltstar gemacht. In "Taxi Driver" geht es um einen einsamen jungen Mann und Vietnam-Veteranen, der mit einem Amoklauf zum fragwürdigen Helden wird. Wie Scorsese das zeigte, war so intensiv, dass er mit diesem Film die Goldene Palme des Filmfestivals in Cannes gewann.

Schon zuvor hatte der Absolvent der Filmwissenschaften an der New Yorker Universität - ein eher kleingewachsener Enkel italienischer Einwanderer, der im New Yorker Stadtteil Little Italy aufwuchs und anfangs eigentlich Priester werden wollte - einige Filme gedreht, die auf sein besonderes Talent hinwiesen. Am erfolgreichsten beim Publikum und der Kritik gleichermaßen war 1973 die Milieustudie "Mean Streets" ("Hexenkessel"), in der neben De Niro auch Harvey Keitel zu sehen ist, ein anderer wichtiger schauspielerischer Wegbegleiter von Scorsese.

Heftigen Protesten aus Kreisen konservativer Christen war Scorsese 1988 wegen der Nikos-Kazantsakis-Verfilmung "Die letzte Versuchung Christi" mit einem selbstzweifelnden Jesus ausgesetzt. 1990 folgte der grandiose Gangsterfilm "Good Fellas - Drei Jahrzehnte mit der Mafia", 1991 das gewaltbesessene Thriller-Remake "Kap der Angst", 1995 sein Opus magnum "Casino". Trotz der großen Erfolge - auch mit dem etwas überladenen "Gangs of New York" (2002) oder dem hochglänzenden "Aviator" (2004) - ist der bekennende New Yorker in Hollywood immer ein Außenseiter geblieben.

Vielmehr hat sich der Regisseur nicht nur mit seinen Filmen Ruhm erworben, sondern auch mit seinem Einsatz für Filmrestaurierung und als Dozent für Filmwissenschaften. Seine vierstündige Dokumentation über die Filmgeschichte Hollywoods aus dem Jahr 1995 ist legendär, auch seine Erkundung des italienischen Filmerbes, "Il mio viaggio in Italia" (1999). In den Dokus über The Band ("The Last Waltz"), Bob Dylan ("No Direction Home") oder die Rolling Stones ("Shine A Light") kommt indes auch ein spartenübergreifender persönlicher Zugang des Filmemachers heraus. (APA)

 "Martin Scorsese. Das Gesamtwerk"
Vom 28. August bis 5. Oktober im  Österreichisches Filmmuseum

www.filmmuseum.at


  • Der Haarschnitt, der die Musikbranche infizierte: RDN in "Taxi Driver"
 
 
    foto: filmmuseum

    Der Haarschnitt, der die Musikbranche infizierte: RDN in "Taxi Driver"

     

     

  • Harvey Keitel mit N.N. in "Who’s That Knocking at My Door" (1965-68)
 
 
    foto: filmmuseum

    Harvey Keitel mit N.N. in "Who’s That Knocking at My Door" (1965-68)

     

     

  • RDN again, als "King of Comedy" zwischen zwei ikonischen Pappkameraden
 
 
    foto: filmmuseum

    RDN again, als "King of Comedy" zwischen zwei ikonischen Pappkameraden

     

     

  • Paul Newman und Mary Elizabeth Mastrantonio  in "The Color of Money" (1986)
 
 
    foto: filmmuseum

    Paul Newman und Mary Elizabeth Mastrantonio  in "The Color of Money" (1986)

     

     

  • Aus den frühen Tagen einer langen Zusammmenarbeit: Alexander Horwath (Direktor des Filmmuseum, vormals der Viennale) und Martin Scorsese 1995 in Wien
 
    foto: filmmuseum

    Aus den frühen Tagen einer langen Zusammmenarbeit: Alexander Horwath (Direktor des Filmmuseum, vormals der Viennale) und Martin Scorsese 1995 in Wien

     

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