Österreichs Internet wird schneller und besser

25. August 2009, 10:35
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TA stellte ihre Version vom "GigaNetz" vor - "Fiber to the Home" soll Geschwindigkeiten bis zu 1 Gbit/s bringen

125 Jahre alte Kupferkabel bilden das Rückgrat des heimischen Internet. Zwar haben in der Vergangenheit sowohl die Telekom Austria (TA) wie auch alternative Telekomprovider immer stärker in Richtung Glasfaser investiert, von einer flächendeckenden Verbreitung kann aber bei Weitem nicht die Rede sein.Vor allem in ländlichen Gebieten liegt noch viel Arbeit vor den Providern.

Auf in die neue Dimension

Nicht nur die Kupferkabel haben ihren Zenith überschritten, auch andere Technologien werden in Bälde ihr "Lebensende" erreicht haben. Diese Gründe und zudem auch die Tatsache, dass sich der Datenverkehr in den eigenen Netzen jedes Jahr verdoppelt, haben dazu geführt, dass die Telekom Austria nun ihre Zukunftspläne für das "Next Generation Network" detaillierter erläutert hat.

Datenexplosion

500 Milliarden Gigabyte ist die Größe des "Digitalen Universums" im Jahr 2008 gewesen, Tendenz weiter stark steigend, vermeldet das IDC Multimedia Whitepapper 2009. Von Google wurde erhoben, dass pro Sekunde nicht weniger als 4.000 neue Webadressen angelegt werden würden. Und die AnalystInnen von Arthur D. Little errechneten vor Kurzem, dass der Bandbreitenbedarf für einen durchschnittlichen Haushalt im Jahr 2015 50 Mbit/s im Download und 22 Mbit/s Upload ausmachen wird.

Eine DVD in 38 Sekunden auf dem Rechner

Die Technologie will natürlich weitaus höher hinaus, als es der Durchschnittshaushalt benötigt. Immerhin gibt es ja auch immer mehr Geschäftsmodelle und Unternehmen, die wesentlich mehr Kapazitäten benötigen würden. Daher müssen die Provider neue Technologien und Materialien einsetzen. "Glasfaser ist die Technologie, die sich mittelfristig durchsetzen wird", so Walter Goldenits, Technikvorstand der TA bei der Präsentation der kommenden Pläne des heimischen Providers. Mit "Fiber to the Home" - also der Verkabelung mit Glasfaserleitungen bis in die Wohnungen der AnschlussteilnehmerInnen sollen in Zukunft bis zu 1 Gbit/s möglich sein. Datenmengen in der Größenordnungen einer DVD - etwa 4,7 GB - wären damit in 38 Sekunden auf dem Rechner.

Gut Ding braucht Weile

Bis die KundInnen allerdings solche Geschwindigkeiten nutzen können, wird noch einige Zeit vergehen. Fest steht allerdings, dass es im ländlichen Raum wohl eher selten entsprechende Bandbreiten geben wird. Nichtsdestotrotz will die TA hier mit anderen Verfahren einen Geschwindigkeitszuwachs ermöglichen und so den "digitalen Graben" zwischen Stadt und Land deutlich kleiner machen.

VDSL2 - der Ausbau im ländlichen Bereich

Mittels der VDSL2-Technologie sollen im ländlichen Bereich Bandbreiten von bis zu 30 Mbit/s realisiert werden. Der Startschuss erfolgt bereits 2009 - die TA will 440 Vermittlungsstellen entsprechend adaptieren und so 350.000 Haushalte mit schnelleren Zugängen versorgen. Im Endausbau sollen dann 750.000 Haushalte angebunden sein.

FTTC, FTTB und FTTH

Die Glasfasertechnologie bietet neue Ansätze und auch unterschiedliche Zugänge zum Netz. FTTC, FTTB und FTTH lauten die kryptischen Abkürzungen der unterschiedlichen Möglichkeiten und alle drei Optionen werden in Österreich zum Einsatz kommen. Fiber to the Curb (FTTC) bedeutet, dass das Glasfaserkabel von der Vermittlungsstelle bis zur nächstgelegenen "abgesetzten Einheit", also der letzten Verteilstelle vor dem Gebäude, verlegt wird, die restliche Entfernung - auch bekannte als "die letzte Meile" wird dann über Kupferleitungen zurückgelegt. Die maximale Kupferlänge beträgt in diesem Fall 800 Meter und ermöglicht Geschwindigkeiten bis zu 30 Mbit/s, so die TA. Fiber to the Building (FTTB) bedeutet die Glasfaser kommt bis in den Keller der Gebäude und erst die weitere Distanz (maximal 200 Meter) werden über Kupfer geleitet. So sollen sich Geschwindigkeiten zwischen 50 und 60 Mbit/s ausgehen. "Die schnellste und beste Anbindung liefert Fiber to the Home (FTTH) - das Glasfaserkabel führt von der Vermittlungsstelle direkt in die einzelnen Wohnungen und so werden bis zu 100 Mbit/s erreicht", erläutert Christian Schubert, Next Generation Network Access der TA. Die Glasfaserkabel selbst sind damit allerdings bei Weitem noch nicht ausgereizt. Die theoretischen Kapazitäten liegen im Terabit-Bereich.

Sprache trifft Daten

Eine wesentliche Aufgabe des Netzausbaus ist dei Zusammenführung von Sprache und Daten in ein Netzwerk. "Das neue Netzkonzept ist das idealste für die KundInnen", so Martin Fluch, Programmleiter Next Generation Network Voice der TA. "Die Grundidee dabei ist, dass die Schnittstellen gleich bleiben und somit auch das klassische analoge Telefon wie auch ISDN weiterhin problemlos nutzbar sind." Die Anforderung sei daher, dass "wir uns als TA im Hintergrund ändern." Die strategischen Ziele hinter dem Netzausbau sind eine prinzipielle Modernisierung, um so die jährliche Verdoppelung des Datenverkehrs im eigenen Netzwerk zu ermöglichen, auf der anderen Seite aber auch eine Effizienzsteigerung und ein Mehrwert für die KundInnen.

100 Mbit-Testmärkte

"Im Rahmen ersten Pilotprojekte werden über 150.000 Haushalte in Österreich in ausgewählten Städten und Gemeinden die Möglichkeit haben, das schnellste Breitbandnetz Österreich zu nutzen. Die ersten Testmärkte, in denen bis 2010 Geschwindigkeiten bis zu 100 Mbit/s erreicht werden, sind Villach, Klagenfurt sowie der 15. und 19. Bezirk in Wien", so die Presseaussendung der Telekom Austria.

Der Regulator und die Konkurrenz

FTTH wird nicht nur in Neubauten ein Thema, auch in Bestandsbauten sollen KundInnen diese Geschwindigkeiten nutzen können. Allerdings ist es hier eindeutig eine Frage der Kosten. Bei Gebäuden, die unter Denkmalschutz stünden, sei es vom Eigentümer abhängig, ob die erforderlichen Stemmarbeiten durchgeführt werden können. Neben dem Denkmalschutz, sind auch regulatorische Richtlinien ein Hemmnis, meint die TA. Würde der Provider seine Leitungen verlegen, könnten KundInnen alternative Anbieter ihre bisherigen Dienste teilweise nicht mehr oder nur eingeschränkt nutzen. Die TA sei aber Kooperationen durchaus aufgeschlossen, nur müsse es eine Win-Win-Situation für beide Seiten sein. "Hier gibt es zwei große Blöcke, die zu lösen sind - zum einen fehlt ein Investitionsschutz. Es muss Spielregeln geben,auch technologische, wie wir gemeinsam ausbauen können. Es kann nicht sein, dass wir sehr viel Geld in die Hand nehmen (die Telekom Austria wird im Zuge des Ausbaus eine Milliarde Euro investieren) und sich dann alternative Anbieter auf die Leitungen setzen", so Walter Goldenits.

Nationaler Kraftakt

Es werde weiterhin Wholesale-Produkte geben, wie auch heute schon - alternative Anbieter können die Leitungen mieten und für ihre Produkte nutzen - aber für einen großflächigen Ausbau der Netze fehlen die Partner. "In den Ballungsräumen gibt es teilweise Interesse, aber österreichweit gibt es keinen anderen Provider, der hier mit uns investieren will", so Goldenits. Auch die Bekenntnisse der Politik richten sich eher in Richtung Ausbau von Straße und Schiene - weniger in Richtung Telekommunikation. "In Deutschland werden zwei Milliarden Euro in die Hand genommen und es ziehen nicht nur die Deutsche Telekom, sondern auch Vodafone/Arcor mit. Umgelegt auf Österreich müsste die Politik rund 200 Millionen Euro investieren, aber von dieser Summe sind wir weit entfernt." (Gregor Kucera, derStandard.at vom 20.8.2009)

  • Neue Leitungen braucht das Land. Die Telekom Austria will mit Glasfaserkabeln bis in die Wohnungen der KundInnen gehen und so einen großen Geschwindkeitszuwachs erzielen.
    foto: standard

    Neue Leitungen braucht das Land. Die Telekom Austria will mit Glasfaserkabeln bis in die Wohnungen der KundInnen gehen und so einen großen Geschwindkeitszuwachs erzielen.

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