Risiko zu verarmen für Frauen in Wien besonders hoch

20. August 2009, 15:59
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Teilzeitbeschäftigungen, viele Nicht Erwerbstätige, früheres Pensionsantrittsalter und hohe Wohnkosten als Gründe

Wien - Frauen sind in Wien einem höheren Armutsrisiko als in anderen Bundesländern ausgesetzt, zeigt eine am Donnerstag präsentierte Analyse zu Einkommen und Armutslagen, durchgeführt von der Universität Wien im Auftrag der Grünen Wien. Neben der höheren Frauenarbeitslosigkeit wird der hohe Anteil an Alleinerziehenden und alleinstehenden Frauen im Pensionsalter als Gründe genannt. Die Haushaltsform "Alleinstehend" bringt generell ein erhöhtes Armutsrisiko, da Ausfälle im Erwerbseinkommen nicht durch andere Haushaltsmitglieder aufgefangen werden können.

Trotz der im Durchschnitt höheren Erwerbseinkommen in Wien leben hier Frauen häufiger in prekären Lebensumständen als im österreichischen Durchschnitt. "Teilzeitbeschäftigungen, ein hoher Anteil von Nicht Erwerbstätigen, sowie das frühere Pensionsantrittsalter führen zu einem geringeren Erwerbseinkommen von Frauen gegenüber Männern", fasste Stadträtin Monika Vana die Daten in einer Aussendung zusammen.

Alleinerziehende besonders betroffen

Insgesamt sind 19 Prozent der Frauen und 16 Prozent der Männer in Wien armutsgefährdet. Mit etwa 39 Prozent haben die höchste Armutsgefährdung Personen in Ein-Eltern Haushalten, von denen 56 Prozent im untersten Einkommensviertel anzusiedeln sind. In der Gruppe der Alleinerziehenden befinden sich hauptsächlich Frauen und deren Kinder. 

Jede vierte alleinlebende Frau in Wien ist armutsgefährdet, bei den alleinlebenden Männern ohne Pension trifft das auf 16 Prozent zu. Das Armutsrisiko geht bei Frauen erst über 40 Jahre zurück und steigt dann mit 65 Jahren wieder an. Bei Männern hingegen sinkt es mit zunehmendem Alter.

Nachteile schon am Beginn der bei Berufsbiografie

Schon bei der Lehrlingsentschädigung beginnt der Nachteil für die weiblichen Arbeitskräfte:  Berufe, die Mädchen ergreifen, haben schlechte kollektivvertragliche Vereinbarungen für Berufsausbildungen. Vergleicht man die Lehrlingsentschädigungen der zehn beliebtesten Lehrberufe von Mädchen mit den zehn beliebtestens Lehrberufen von Burschen, dann beträgt die Differenz im ersten Lehrjahr zehn Prozent, im dritten Lehrjahr schon 19 Prozent.

In der Erwerbsphase ist die Benachteiligung sichtbar, da die Erwerbstätigkeit durch Mehrfachbelastung niedriger ist: Nur 44 Prozent der Frauen im Erwerbsalter gehen einer Vollzeiterwerbstätigkeit nach. 56 Prozent sind entweder teilzeitbeschäftigt oder in keiner Beschäftigung. Darüber hinaus verdienen unselbständig beschäftigte Frauen pro Jahr um 23 Prozent weniger als Männer, bei einer Vollzeit-beschäftigung sind es 14,7 Prozent weniger.

Auch in der Pension wirkt sich das aus: Pensionistinnen in Wien beziehen im Durchschnitt ein um 35 Prozent geringeres Einkommen als Pensionisten. "Diese Fakten zeigen, dass wesentlich mehr Frauen von Sozialleistungen, dem Einkommen des Partners oder sonstigen Transferleistungen abhängig sind. Volle Erwerbstätigkeit von Frauen ist der beste Schutz vor Armutsgefährdung", so Vana.

Hoher Wohnkostenanteil

In Wien wird die Armutsspirale auch durch die Wohnkosten angetrieben. 23 Prozent der Einkommen werden im Schnitt für Wohnen aufgewendet. Damit ist der Wohnungsaufwand in Wien sowohl absolut als auch im Anteil am Haushaltseinkommen deutlich höher als im österreichischen Durchschnitt (18 Prozent). Durch das geringere Einkommen von Frauen ist der Wohnaufwand im Verhältnis zum Einkommen höher als bei Männern. Armutsgefährdete haben mit 43 Prozent den höchsten Wohnkostenanteil.

Grundsicherung und Mindestlohn

Die Grünen Wien fordern anlässlich der Zahlen neben der Erstellung eines Frauenarmutsberichts für Wien die Einführung einer bedarfsorientierten Grundsicherung in Höhe der Armutsgefährdungsschwelle (derzeit 912 Euro) sowie die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in der Höhe von mindestens 1000 Euro netto pro Monat. Weiters ist die Erhöhung der Lehrlingsentschädgiung in frauendominierten Branchen notwendig, so Vana. (red)

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