Vier führende Kandidaten im Detail

20. August 2009, 11:02
posten

Kabul - Bei der Präsidentenwahl in Afghanistan am Donnerstag treten 41 Kandidaten an, von denen sich in den vergangenen Tagen acht zugunsten von Amtsinhaber Hamid Karzai zurückgezogen haben. Die vier in Umfragen führenden Kandidaten sind:

  • Hamid Karzai: Der amtierende Präsident liegt mit rund 45 Prozent vorn, doch ist fraglich, ob er im ersten Anlauf die absolute Mehrheit erringt. Die Verärgerung vieler Bürger über die grassierende Korruption hat der Popularität des 51-Jährigen geschadet. 2001 nach der Taliban-Entmachtung durch die westliche Invasion zum Übergangspräsidenten bestimmt, wurde Karzai 2004 für fünf Jahre ins Amt gewählt. Die Einsetzung des Paschtunen, der als Vertrauensmann des mächtigen pakistanischen Geheimdienstes ISI galt, war allgemein als Ergebnis eines Kompromisses zwischen dem US-Geheimdienst CIA und der pakistanischen Armeeführung interpretiert worden.
  • Abdullah Abdullah: Der 48-jährige frühere Außenminister hat in Umfragen auf etwa 25 Prozent zugelegt und könnte Karzai zu einer Stichwahl im Oktober zwingen. Der ausgebildete Augenarzt war führendes Mitglied der tadschikisch dominierten Nordallianz, die 2001 die Taliban stürzen half. Der Sohn eines Paschtunen und einer Tadschikin gilt als Favorit der Tadschiken, die rund ein Viertel der Bevölkerung ausmachen. Abdullah hat in Aussicht gestellt, mit der Korruption aufzuräumen, und strebt ein parlamentarisches System an.
  • Ramazan Bashardost: Der 49-jährige Abgeordnete und frühere Planungsminister hat einen etwas exzentrischen Ruf. Er arbeitet hauptsächlich in einem Zelt, das er vor dem Parlament aufgeschlagen hat. Durch seine bescheidene Art gepaart mit Kritik an Korruption und Vetternwirtschaft hat er so viele Anhänger gewonnen, dass er mit zehn Prozent der Stimmen rechnen kann. Der 48-Jährige gehört zur Minderheit der Hazara, die überwiegend schiitisch sind und von den sunnitischen Taliban besonders drangsaliert wurden. Der Sohn einer Beamtenfamilie verließ Afghanistan 1978 kurz vor dem sowjetischen Einmarsch und kehrte erst nach dem Sturz der Taliban 2001 zurück.
  • Ashraf Ghani: Der 60-Jährige hat lange für die Weltbank gearbeitet und sich als Finanzminister Ansehen erworben. Er gilt als sachorientierter Pragmatiker. Der Paschtune wurde als "chief executive" ins Gespräch gebracht, eine Art Regierungschef, der dem Präsidenten die Alltagsgeschäfte abnimmt. Die Korruptionsbekämpfung ist eines seiner Hauptanliegen, daneben tritt er für Vorhaben wie Sonderwirtschaftszonen und eine Frauenuniversität ein. In Umfragen blieb er unter zehn Prozent. (APA/AP)
Share if you care.