Deutsche Bahn zieht die Notbremse

20. August 2009, 17:56
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Expansion wird nach Gewinnhalbierung gestoppt

Frankfurt - Die Deutsche Bahn ist von der Wirtschaftskrise voll getroffen worden und sieht so schnell auch keine Trendwende. Der Gewinn des Konzerns halbierte sich in den ersten sechs Monaten des Jahres. "Die Lage hat sich nochmals verschärft", betonte Konzernchef Rüdiger Grube am Donnerstag in Frankfurt. Umsatz und Gewinn von 2008 könnten wohl erst in vier Jahren wieder erreicht werden. "Ich warne davor, jetzt schon von einer Erholung zu sprechen", sagte Grube.

Der neue Bahnchef baut nun auf ein hartes Sparprogramm und will die von seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn vorangetriebene weltweite Expansionsstrategie vorerst stoppen. Auch über neue Regelungen in den Tarifverträgen soll mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt werden, wie Grube ankündigte. Dies sei nötig, um die 2010 auslaufende Beschäftigungsgarantie in Deutschland verlängern zu können. Insgesamt will die Bahn bis 2013 den Gewinn um zwei Mrd. Euro verbessern.

Der Umsatz von Europas größtem Transportunternehmen sackte im ersten Halbjahr 2009 um 14 Prozent ab und lag nur noch bei 14,3 Mrd. Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach sogar um mehr als die Hälfte auf 671 Mio. Euro ein. Davon müssen aber unter anderem noch Zinsen für Schulden beglichen werden.

Besonders drastisch fielen die Einbrüche bei der Güterbahn und der internationalen Logistik aus. Beide Sparten büßten rund ein Viertel ihrer Umsätze ein, die Güterbahn rutschte beim Ebit sogar in die roten Zahlen. Konkrete Prognosen für das Gesamtjahr 2009 wollte der Konzern nicht geben, denn auch im bisher vergleichsweise stabilen Personenverkehr schlummern angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit Risiken.

Der Gewinn im Fernverkehr schmolz trotz stabiler Passagierzahlen um mehr als zwei Drittel zusammen. (red, Reuters, DER STANDARD, Printausgabe, 21.8.2009)

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