Voest erleidet massiven Gewinneinbruch

20. August 2009, 07:37
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Der Stahlkonzern kämpft mit dem schwierigsten Geschäftsjahr seit Jahrzehnten, das Ergebnis drehte deutlich ins Minus

Wien - Der börsenotierte oberösterreichische Stahlkonzern hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2009/10 herbe Umsatzeinbrüche und einen operativen Verlust erlitten, schnitt dabei aber noch besser ab als von Analysten erwartet. Angesichts der Wirtschaftskrise drehte das operative Ergebnis (EBIT) gegenüber dem Vorjahreszeitraum von +357,7 auf -24 Mio. Euro; Marktbeobachter hatten mit einem weitaus kräftigeren EBIT-Minus von 34,4 Mio. Euro gerechnet. Die Umsatzerlöse sanken um gut 36 Prozent auf 2,07 Mrd. Euro, teilte das Unternehmen heute, Donnerstag, im Vorfeld der Telefonkonferenz um 11.00 Uhr mit.

"Viel hat letztlich nicht gefehlt und die voestalpine AG hätte auch im für die europäische Industrie schwierigsten Quartal der letzten Jahrzehnte noch ein positives operatives Ergebnis ausgewiesen", sagte Konzernchef Wolfgang Eder. Doch auf seinen Schultern lastet die milliardenschwere Übernahme des Edelstahlkonzerns Böhler-Uddeholm per 1. Juli 2007. Das Gearing, also der Anteil der Nettoschulden am Eigenkapital, verschlechterte sich gegenüber dem Vorjahresquartal von 77 auf 90,1 Prozent. Das Eigenkapital sank von 4,64 auf 4,29 Mrd. Euro.

Kosteneinsparungen

Im zweiten Quartal will Eder bereits wieder ein ausgeglichenes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) ausweisen. Für das Gesamtjahr 2009/10 (per Ende März) sei - unverändert - von einem positiven operativen Ergebnis auszugehen. Dazu beitragen sollen vor allem die umfangreichen Kosteneinsparungen im Zuge des konzernweiten Krisenmanagements.

Gedreht wird dabei auch an der Personalschraube: Die Zahl der Stamm-Mitarbeiter (ohne Lehrlinge) wurde per Ende Juni gegenüber dem Vorjahresstichtag um 4,7 Prozent auf 40.120 gesenkt, unter dem Strich wurde der Personaleinsatz aber um rund 16 Prozent reduziert: Denn zusätzlich zur Verringerung der Stammbelegschaft wurden konzernweit 1.873 Leasing-Mitarbeiter abgebaut. Darüber hinaus befanden sich heuer per 30. Juni 11.294 Mitarbeiter in Kurzarbeit, weitere 5.103 Arbeitnehmer sind zur Kurzarbeit angemeldet. Aufgestockt hat die voestalpine bei den Lehrlingen - um 6,2 Prozent auf 1.463.

"Erste Stabilisierungstendenzen"

In den ersten drei Monaten 2009/10 ortete der Stahlkonzern "erste Stabilisierungstendenzen". Mengennachfrage und Preise hätten sich in einigen wesentlichen Branchen "auf niedrigem Niveau zu stabilisieren begonnen". Ziffernmäßig werde dies aber nicht vor dem Herbst einen ersten Niederschlag finden. Eine Trendwende sei zwar noch nicht erkennbar, die Dynamik des Abschwungs habe aber im Laufe des ersten Quartals abgenommen.

Im ersten Quartal ist die Rohstahlproduktion des Konzerns wegen einer "fortgesetzten breitflächigen Nachfrageschwäche" in nahezu allen Märkten und quer über fast alle Branchen noch um 37,4 Prozent auf 1,27 Mio. Tonnen zurückgegangen. Der Investitionsaufwand wurde um 30,7 Prozent auf 140,2 Mio. Euro zurückgeschraubt.

Das Geschäftsjahr 2009/10 sei "das schwierigste seit Jahrzehnten", die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im ersten Quartal seien "äußerst herausfordernd" gewesen. Deutlich unter Druck gerieten in den ersten drei Monaten auch die Margen: Die EBIT-Marge verschlechterte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum von +11 auf -1,2 Prozent, die EBITDA-Marge von +16,7 auf +6,5 Prozent.

Das EBITDA ging von 542,6 auf 134,9 Mio. Euro zurück. Das Ergebnis nach Steuern (vor Minderheitsanteilen und Hybridkapitalzinsen) brach von +240,3 auf -48,2 Mio. Euro ein. Der Verlust je Aktie betrug 0,40 Euro - nach einem Gewinn von 1,35 Euro je Anteilsschein im Vorjahresquartal.

Voraussichtlich keine Ausweitung der Kurzarbeit 

Bis zum Jahresende rechnet die voestalpine laut Konzernchef Wolfgang Eder mit keinen weiteren Einbrüchen mehr. So klar das Bild auch bis Jahresende sei, "2010 gibt es noch eine gewisse Rückschlagsgefahr", räumte Eder heute, Donnerstag, in einer Telefonkonferenz ein. Wie stark dieses Risiko sei, hänge von der weiteren konjunkturellen Situation ab. Im Frühjahr wisse man mehr. Eine Ausweitung der Kurzarbeit - weitere 5.000 Arbeitnehmer wären dazu angemeldet - dürfte vom Tisch sein, ebenso Kündigungen im großen Stil, die wurden bereits in der Vergangenheit durchgezogen. (APA)

  • Das Geschäftsjahr 2009/10 war für die Voestalpine "das schwierigste seit Jahrzehnten".
    foto: voestalpine

    Das Geschäftsjahr 2009/10 war für die Voestalpine "das schwierigste seit Jahrzehnten".

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