Usbekenführer Dostum bestreitet Deal mit Karzai

19. August 2009, 22:02
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Er sei nicht auf Ministerposten aus - "Ich habe nicht einen einzigen gefangenen Taliban ermordet"

Schiberghan - Einen Tag vor der Wahl in Afghanistan hat der frühere Milizenchef Abdul Rashid Dostum Absprachen mit Präsident Hamid Karzai über mögliche Kabinettsposten oder andere Zugeständnisse abgestritten. "Ich habe kein persönliches Abkommen mit Karzai", sagte Usbekenführer Dostum am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters in seinem Palast in Schiberghan. Die Allianz Karzais mit Dostum, einem Vier-Sterne-General des ehemaligen pro-sowjetischen Regimes, stieß auf Kritik seitens der Vereinten Nationen und der USA.

Seine Rückkehr werde aber Frieden und Stabilität bringen, erklärte Dostum und bezeichnete sich als "Freund der Internationalen Gemeinschaft, der USA und der NATO." Er sei nicht auf einen Ministerposten aus. Er habe auch Angebote ausgeschlagen, als einer von zwei Stellvertretern Karzais zu arbeiten. Interessiert sei er aber an einer Rolle im Sicherheitsbereich. "Ich habe eine Menge Erfahrung im Umgang mit Terrorismus", erklärte Dostum. Wenn Karzai oder die internationale Gemeinschaft es wolle, sei er bereit, etwas zu unternehmen.

Der umstrittene Usbeke war erst vor kurzem aus seinem türkischen Exil nach Afghanistan zurückgekehrt. Dostum, dem der Ruf eines ausgesprochen brutalen Milizenchefs vorauseilt, gewann bei der Wahl 2004 zehn Prozent der Stimmen. Zwar schickte ihn Karzai daraufhin ins Exil, der zur Wiederwahl angetretene Präsident gab am Wochenende aber grünes Licht für die Rückkehr des einstigen Kommunisten. Dostums Anhänger hatten mit Blick auf die Wahl gedroht, ihre Unterstützung für Karzai zurückzuziehen.

Dostums Rückkehr löste bei den westlichen Ländern Befürchtungen aus, Karzai könnte mit früheren Kriegsherren Absprachen getroffen haben, um seine Wiederwahl zu sichern. Die USA und die Vereinten Nationen äußerten sich besorgt über die Möglichkeit, Dostum könnte am Kabinettstisch von Karzai Platz nehmen. Ein Mitarbeiter der US-Regierung erklärte, Dostum sei verantwortlich für schwere Kriegsverbrechen.

Der ehemalige Kriegsfürst bestritt indes eine Verwicklung in ein Massaker an Hunderten gefangenen Taliban-Kämpfern im Jahr 2001. "Ich habe nicht einen einzigen gefangenen Taliban ermordet", sagte Dostum zu Reuters. Menschenrechtsgruppen werfen dem Milizenchef vor, an der Ermordung von radikal-islamischen Kämpfern beteiligt gewesen zu sein. US-Präsident Barack Obama hatte eine Untersuchung des Massakers von Dasht-e-Leili gefordert. Der Usbeke, der bei der Besatzung durch die Sowjet-Armee in den 1980er Jahren und im darauffolgenden Bürgerkrieg mehrmals die Seiten gewechselt hatte, kämpfte nach den Anschlägen vom 11. September an der Seite der USA gegen die Taliban. (APA/Reuters)

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