Regierung kann sich Teilnahme an Klimakonferenz nicht leisten

19. August 2009, 21:48
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Vom Klimawandel bedrohtes Inselparadies in finanziellen Nöten

Male - Die Malediven werden wegen eines ausufernden Budgetdefizits nicht an der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Kopenhagen teilnehmen. Präsident Mohamed Nasheed hat am Mittwoch seine Reise zum Weltklimagipfel Ende des Jahres absagen lassen, um die Regierungsausgaben angesichts der angespannten Budgetsituation nicht weiter zu belasten. Die Ergebnisse der UN-Konferenz in Kopenhagen sind für den vom Klimawandel bedrohten Inselstaat von größter Bedeutung.

"Wir werden uns in Kopenhagen so weit wie möglich einbringen, ohne dass der Präsident hinreisen wird," erklärte der Sprecher Nasheeds in Male. Das bei Touristen beliebte Inselparadies im Indischen Ozean hat sich in den vergangenen Jahren als Anwalt im Kampf gegen den drohenden Klimawandel einen Namen gemacht, weil die tief liegende Inselrepublik durch den ansteigenden Meeresspiegel massiv bedroht ist. Bis zum Jahr 2100 soll laut Prognosen bereits der Großteil des Landes im Meer verschwunden sein. Daher ist der Ausgang des UN-Klimagipfel, wo im Dezember ein Nachfolgepakt für das Ende 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll beschlossen werden soll, so wichtig.

Doch Wirtschaftskrise und ausbleibende Touristen haben das Land in finanzielle Bedrängnis gebracht. Das Budgetdefizit des Inselstaates, der fast vollkommen vom Fischfang und vom Tourismus abhängig ist, hat sich im vergangenen Jahr fast verdreifacht auf 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukt.

Präsident Nasheed, der im Vorjahr die Wahlen gegen den seit dreißig Jahren regierenden Maumoon Abdul Gayoom gewonnen hatte, sorgte weltweit für Aufmerksamkeit, als er nach seiner Amtsübernahme den Plan verkündete, eine neue Heimat für die rund 400.000 Einwohner kaufen zu wollen. Seine Regierung würde einen Teil der Tourismuseinkünfte beiseitelegen, um in Indien oder Sri Lanka Land zu kaufen für den Fall, dass die über 1000 Inseln eines Tages im Meer versinken, erklärte er damals. Erst 2008 wurde ein Mehrparteiensystem eingeführt. Islamisch-fundamentalistische Kräfte sind in den vergangenen Jahren erstarkt. Nach Terroranschlägen untersagte die Regierung das Tragen von Schleiern, geheime Moscheen wurden geschlossen.(APA/Reuters)

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