Eigen- und Fremdbemalung

19. August 2009, 19:27
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Was die Menschen dazu treibt, sich Ornamente auf diverse Körperteile einsticheln zu lassen

Das Alte Testament ist recht eindeutig: "Geätzte Schrift sollt ihr an euch nicht machen. Ich bin der Herr." (3. Mose 19,28). Der jetzige Sommer zeigt allerdings mit geradezu überdeutlicher Offenheit, dass das biblische Gebot großflächig missachtet wird.

In Wien sind inzwischen geschätzte 48 Prozent der männlichen und weiblichen Bevölkerung tätowiert. Da nicht alle davon Matrosen und/oder Haftentlassene sein können, stellt sich die Frage, was die Menschen dazu treibt, sich aufwändige, meist schmutzig-graue Ornamente auf diverse Körperteile einsticheln oder auch nur aufmalen zu lassen. Tattoos haben laut Wikipedia in primitiven Stammesgesellschaften eine kultische Funktion.

Ob sich das jetzt so einfach auf das hierzulande sehr beliebte "Arschgeweih" umlegen lässt? Immerhin beschränken sich die Tätowierten auf den eigenen, höchstpersönlichen Bereich als Projektionsfläche ihrer Sehnsüchte, vielleicht auch Ängste oder gar (Auto-)Aggressionen. Die Sprayer, die sich gleichfalls explosionsartig vermehrt haben, leben ihren oft ziemlich aggressiv wirkenden Gestaltungsdrang hingegen am (meist frisch renovierten) Wohnbereich anderer Leute aus. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 20.8.2009)

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    Tattoos haben laut Wikipedia in primitiven Stammesgesellschaften eine kultische Funktion. Ob sich das jetzt so einfach auf das hierzulande sehr beliebte "Arschgeweih" umlegen lässt?

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