Privatbanker Bradley Birkenfeld

19. August 2009, 18:55
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Die Tarantel der Schweizer Großbank UBS Bradley Birkenfeld ließ US-Steuerhinterzieher auffliegen

Bradley Birkenfeld. So heißt der Mann, der das Schweizer Bankgeheimnis so löchrig wie den Schweizer Käse gemacht hat und es ermöglichte, dass die USA Daten von bis zu 4450 Bankkonten erhält. Der 43-jährige Privatbanker der Schweizer Großbank UBS war für Journalisten wie für die US-Justiz der Whistleblower im Verfahren gegen die Schweizer Bank. Als Hauptzeuge hat er aufgedeckt, dass die UBS aktiv Steuerhinterziehung gefördert hat. Der klingende Deckname des fotoscheuen Bankers, wenn er mit der Presse, beispielsweise mit der britischen Financial Times, in Verbindung trat: "Tarantula" - die Tarantel.

Tatsächlich war Birkenfeld, Sohn eines erfolgreichen Neurochirurgen, für das konservative Schweizer Finanzinstitut als Jäger tätig, wenngleich er bei High-Society-Events in New York oder Miami auf der Pirsch war. Ins Netz gingen ihm US-Amerikaner mit hohem Kontostand und wenig Bereitschaft, Steuern zu zahlen.

Die UBS soll alleine rund 50.000 US-Amerikanern zur Steuerflucht verholfen haben. Birkenfeld war einer von rund 80 "Jägern" in der Bank, die nach neuen Kunden geangelt haben. Der gebürtige US-Amerikaner lebte zwar seit 15 Jahren in der Schweiz, kam aber regelmäßig in die Vereinigten Staaten zurück. Das Programm bei seinen Reisen war abwechslungsreich: Autoshows, Segelregatten, Weinverkostungen, die Klientel war jedenfalls immer vermögend.

Birkenfeld war ständig auf der Suche nach reichen, potenziellen Kunden. Die Großbank UBS hat ihm diese Aufgabe mitunter mit finanziellen Mitteln erleichtert. So hat die Bank die Art Basel Miami Beach gesponsert, ebenso zahlreiche Musikveranstaltungen. Birkenfeld kam dort zu vielen Kunden.

Warum er dann die Seite wechselte, ist unklar. Für die Informationen, die er an die US-Steuerbehörden weitergegeben hat, erwartet den Banker möglicherweise eine Belohnung. Denn in den USA erhalten Whistleblower, die Steuerhinterziehungen enthüllen, bis zu 30 Prozent der nachbezahlten Steuern.

Zunächst muss die Tarantel allerdings auf eine milde Strafe hoffen. Birkenfeld hat sich in einem Steuerverfahren schuldig bekannt: Er hatte dem Milliardär Igor Olenicoff bei der Hinterziehung von 200 Millionen Dollar geholfen. Statt fünf Jahren Haft fordert der Staatsanwalt für Birkenfeld jetzt nur zweieinhalb Jahre. Dabei war der reiselustige Banker bereits seit einem Jahr im Netz der Behörden: Mit einer elektronischen Fessel ausgestattet hatte er eine Ausgangssperre ab zehn Uhr abends. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.8.2009)

 

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