Vom Dazugehörenwollen

19. August 2009, 18:37
14 Postings

Die von Alfred Komarek ersonnene Romanfigur Daniel Käfer (Peter Simonischek) geht in 3sat auf Sommerfrische

"Die Ausseer sind Bestien. Und die Ausseerinnen erst recht." Soll niemand sagen, dass Daniel Käfer (Jedermann Peter Simonischek) nicht gewarnt wurde. Doch der lässt sich am Dienstag in "Daniel Käfer - die Villen der Frau Hürsch" (3sat) nicht davon abbringen: Als Kind hat er wunderbare Tage im Ausseer Land verbracht. Warum soll es also Jahrzehnte später, als er zwar erwachsen, aber frustriert ist und seinen Job als Chefredakteur in München verloren hat, nicht auch funktionieren?

Die von Alfred Komarek ersonnene Romanfigur geht also auf Sommerfrische und erlebt dabei zweifaches Ferienglück: Es ist immer schönes Wetter. Und es gibt stets was zu tun. Denn für den "Zuagroastn" erfüllt sich in reiferen Jahren der Traum eines jeden fantasiebegabten Kindes: Es gilt ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit ans Licht zu bringen.

Offenbar hat Käfers Urgroßtante - ein Dienstmädchen, das 1931 spurlos verschwand - eine Villa geerbt, die das Herz jedes Maklers höher schlagen ließe.

Ein alter Koffer, ein mysteriöses Testament, eine Dose mit geheimen Hinweisen - die Schnitzeljagd nach dem Domizil gestaltet sich so putzig-romantisch, wie die Ausseer selbst dargestellt werden: als pfiffige Käuze, die gern ein Schnapserl trinken.

Genau darum geht es ja auch: Käfer braucht die Villa nicht, er will bloß so gerne zur Gemeinschaft dazugehören. Das dörfliche Idyll wird zum Gegenentwurf für die gescheiterte Existenz in der Stadt. Ob Wirtstochter oder Pensionswirtin - alle haben auch noch so tiefe, einfache Weisheiten parat, dass Käfer vor lauter Dankbarkeit in allerlei Arme sinkt. Trotzdem nette Unterhaltung, noch dazu mit "Happy End": Käfer kriegt die Villa nicht, aber er darf endlich mit am Stammtisch sitzen. (Birgit Baumann/DER STANDARD; Printausgabe, 20.8.2009)

  • Peter Simonischek.
    foto: 3sat

    Peter Simonischek.

Share if you care.