Berlin will Drama um HRE-Fastpleite nicht gesehen haben

19. August 2009, 18:00
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Berlin - Viel Hoffnungen macht sich die Opposition nicht. Wenn der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Donnerstag als letzter Zeuge vor jenem Untersuchungsausschuss des Bundestags aussagen wird, der den Beinahe-Zusammenbruch der Hypo Real Estate (HRE) untersucht, dann wird auch er nicht plötzlich erklären: Wir haben das Drama kommen sehen.

Am Mittwoch musste Jens Weidmann, Leiter der Wirtschafts- und Finanzabteilung im Bundeskanzleramt, dem Gremium Rede und Antwort stehen. Bis zum Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 habe es "keine Hinweise auf eine existenzbedrohende Schieflage" bei deutschen Privatbanken gegeben, erklärte er.

Das manager-magazin hingegen schreibt, Bundesbank und Finanzaufsicht BaFin hätten sich schon im März und im August 2008 erkundigt, wie viel Geld die HRE im Falle einer Lehman-Insolvenz verlieren würde. Dies wird von einer BaFin-Sprecherin jedoch als reine Routine bezeichnet. Gerhard Schick, Finanzexperte Grünen, jedoch meint: Berlin hätte schon viel früher mit der Lehman-Pleite rechnen müssen und so daher auch früher ein Rettungskonzept für die HREausarbeiten müssen.

Das späte Eingreifen (Ende September) rechtfertigte Weidmann:"Wir wollten bis zum Maximum den Beitrag der Finanzwirtschaft ausreizen." Bei früherer Hilfe hätte der Staat womöglich noch mehr geben müssen. So kam er "nur" auf 87 Milliarden Euro, weitere 15 Milliarden brachte ein Bankenkonsortium ein. Inzwischen gehört der marode Immobilienfinanzierer fast komplett dem Staat. (bau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.8.2009)

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