"Das sind die üblichen Anschüttungen"

19. August 2009, 17:41
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FPÖ-Spitzenkandidat Manfred Haimbuchner über Missverständnisse am rechten Rand, Menschliches in Asylfragen und Papas Bekanntheitsgrad

STANDARD: Im oberösterreichischen Wahlkampf sind Sie der große Unbekannte, Plakate gibt es bis dato nur gemeinsam mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. War das Risiko, als politischer No-Name ins Rennen zu gehen, zu groß?

Haimbuchner: Ich bin bitte kein politischer No-Name. Ich bin der Manfred Haimbuchner. Mein Vater war 24 Jahre Bürgermeister und zwölf Jahre Landtagsabgeordneter - man kennt den Namen Haimbuchner. Und es wird auch eine Plakatserie mit mir alleine geben.

STANDARD: Sie haben angesichts der letztlich gescheiterten Kandidatur der als rechtsextrem eingestuften Nationalen Volkspartei (NVP) gesagt, "rechts neben der FPÖ" sei eben kein Platz mehr. Wie darf man das verstehen?

Haimbuchner: Da hat man mich missverstanden. Gemeint habe ich, dass es demokratisch rechts neben der FPÖ nicht unbedingt noch etwas geben muss. Ich habe aber immer ganz klar gesagt, dass ich gegen eine Kandidatur der NVP bin.

STANDARD: Die FPÖ setzt auch im aktuellen OÖ-Wahlkampf erwartungsgemäß wieder einen Asyl-Schwerpunkt. Haben die Freiheitlichen eigentlich auch noch ein anderes Thema?

Haimbuchner:Natürlich haben wir noch genügend andere Themen. Aber die Asylproblematik berührt die Leute eben unmittelbar.

STANDARD: Gibt es eine Situation, in der für Sie ein Bleiberecht vorstellbar wäre?

Haimbuchner: Es wird menschlich sicher Fälle geben, wo man nachdenklich wird. Ich will aber da die Lücke trotzdem nicht aufmachen.

STANDARD: Das Bundesheer hat dem Linzer FP-Spitzenkandidaten Detlef Wimmer aufgrund von Kontakten zur rechtsextremen Gruppierung "Bund Freier Jugend" eine Offizierskarriere verweigert. Für die FPÖ offensichtlich kein Problem, oder?

Haimbuchner: Das sind doch die üblichen Anschüttungen. Wenn jemand einmal einen Kontakt zu jemandem gehabt hat, der nicht einmal von ihm selbst ausgegangen ist, so ist daran nichts verwerflich. Ich kann aber ausschließen, dass einer meiner Mitarbeiter je Mitglied solch einer Vereinigung war.

STANDARD: Der aktuelle Obmann der FPÖ Linz-Mitte war nachweislich Aktivist der neonazistischen "Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition" ...

Haimbuchner: Diese Diskussionen sind doch lähmend. Sebastian Ortner, den Sie hier ansprechen, hat sich klar von seiner Vergangenheit distanziert. Ein Mensch kann sich ändern.

STANDARD: Ihre Parteikollege Martin Graf fällt als Dritter Nationalratspräsident vor allem durch höchst umstrittene Aussagen auf. Plädieren Sie ebenfalls für eine Südtirol-Volksabstimmung?

Haimbuchner: Das Thema berührt die Bürger derzeit nicht. Und die Forderung müsste nicht vom Martin Graf, sondern von den Südtirolern selbst kommen. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD-Printausgabe, 20. August 2009)

ZUR PERSON:

Manfred Haimbuchner (31) ist FPÖ-Nationalratsabgeordneter und jüngster Spitzenkandidat bei der oberösterreichischen Landtagswahl. Im Frühjahr 2010 soll der Jurist zum FPÖ-Landesparteichef gekürt werden.

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    Manfred Haimbuchner (FPÖ) will kein Unbekannter sein.

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