Kräuter gegen Karzinome

19. August 2009, 18:27
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Österreichisch-türkisches Forscherteam weist krebshemmende Substanzen in traditionellen Heilpflanzen nach

Wien - Nach bisherigen Erkenntnissen gedeihen in der Türkei etwa 11.500 verschiedene Pflanzensorten. Welch enormen Wert diese Vielfalt für den Menschen haben könnte, lassen Studien eines österreichisch-türkischen Forscherteams unter Leitung von Georg Krupitza vom Institut für Klinische Pathologie der Universität Wien erahnen. Die Experten testeten zwei west-anatolische Pflanzenarten auf möglicherweise krebshemmende Inhaltsstoffen und wurden prompt fündig. Bei den untersuchten Spezies handelt es sich um ein Johanniskraut namens Hypericum adenotrichum sowie um eine spezielle Unterart des Orientalischen Helmkrauts (Scutellaria orientalis ssp. carica). Hypericum und Scutellaria finden in der traditionellen türkischen Volksmedizin Verwendung als Heilkräuter. Sie haben antiseptische Wirkung und werden vor allem zur Verbesserung der Wundheilung eingesetzt. Beide Pflanzen kommen ausschließlich in der west-anatolischen Flora vor.

In S. orientalis ssp. carica sind es laut der von der Fachzeitschrift Phytomedicine als Online-Vorabveröffentlichung publizierten Forschungsergebnisse vor allem die Substanzen Baicalein und Wogonin, die krebshemmend wirken. Die bösartigen Zellen werden auf zweierlei Weise angegriffen. Baicalein blockiert die Zellteilung und stoppt somit die Vermehrung, Wogonin löst die sogenannte Apoptose. Bei letzterer handelt es sich um eine vorprogrammierte Form des Zelltodes - die Zelle beginnt, sich selbst aufzulösen. "Wenn schließlich die Zellmembran platzt, werden toxische Stoffwechselprodukte freigesetzt, die dann auch den Nachbarzellen schaden" , erklärt Studienleiter Georg Krupitza. So gerät ein attackierter Tumor immer mehr in Bedrängnis.

Wogonin und Baicalein hatten schon in früheren Laborversuchen krebshemmende Wirkung gezeigt. Ein bisher völlig unbekannter Wirkstoff scheint dagegen in H. adenotrichum vorhanden zu sein. Petroleumäther-Extrakte dieser Pflanze töten Leukämiezellen überaus effizient, doch die enthaltenen Moleküle sind ganz andere als die in den Helmkraut-Auszügen. Auch hier wurde Apoptose ausgelöst. Den Stoff, der den Zelltod einleitet, konnten die Forscher allerdings noch nicht identifizieren. Zusätzlich wiesen sie Hyperforin und Hypericin nach. Ihre Wirkung gegen Krebszellen ist der Wissenschaft bereits bekannt.

Die untersuchten Kräuter dürften sich aber nicht als Naturheilmittel gegen Krebs eignen. Es geht den Experten vielmehr darum, sogenannte Leitsubstanzen ausfindig zu machen, aus denen sich wirksame Präparate entwickeln lassen. Schließlich sollen nur bösartige Zellen zerstört werden, ohne gesundem Gewebe zu schaden.

Die anatolische Flora indes hält offenbar noch einige wissenschaftliche Überraschungen bereit. "Wir untersuchen zurzeit fünf verschiedene Scrophularia-Spezies und einige Krokus-Arten" , berichtet Ali Özmen von der Adnan-Menderes- Universität in Aydin. "Scrophularia floribunda wirkt auch sehr gut gegen Krebszellen." (Kurt de Swaaf, DER STANDARD/Printausgabe 20.8.2008)

  • Krebshemmende Stoffe in westanatolischen Pflanzen.
    foto: kirmaci

    Krebshemmende Stoffe in westanatolischen Pflanzen.

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