"Tabubruch" Zentralmatura

26. August 2009, 11:15
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Auch auf das Paketservice kommt es bei der Zentralmatura an - Die Vorbereitungen für die teilzentrale Matura haben begonnen

Seit Juli ist es offiziell: Die teilzentrale Matura wird 2014 an Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS), und 2015 an den Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) stattfinden.

Das bedeutet konkret, dass alle Schüler eine "Vorwissenschaftliche Arbeit" schreiben und mündlich präsentieren müssen und dass die schriftliche Matura an allen österreichischen Schulen zur gleichen Zeit mit den gleichen Fragen stattfindet und nach dem gleichen Korrekturschlüssel benotet wird. Die Schüler entscheiden selbst: Entweder sie legen drei schriftliche und drei mündliche oder vier schriftliche und zwei mündliche Prüfungen ab. Bei drei schriftlichen Prüfungen treten sie in Deutsch, Mathematik und einer lebenden Fremdsprache an. Bei vier schriftlichen Prüfungen kann als weiteres Fach eine zusätzliche Fremdsprache (auch Latein oder Griechisch), Darstellende Geometrie, Biologie oder Physik gewählt werden. Bei der mündlichen Prüfung gibt es keine Vorgaben für die Lehrer.

Die Schulen darauf vorzubereiten, damit ist Gabriele Friedl-Lucyshyn vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) beauftragt. „Wir sind dabei, die Infrastruktur aufzubauen, die sicherstellt, dass im Schuljahr 2013/14 alles gut über die Bühne geht." 

Drei Teilbereiche

Gearbeitet werde an drei Teilbereichen: An der Entwicklung der Testaufgaben, der Durchführung sowie der Konzeption der Qualitätssicherungsmaßnahmen.
Im vergangenen Schuljahr haben sich insgesamt 300 Schulen am Pilotprojekt Zentralmatura beteiligt. Ordentlich schief gelaufen ist dabei nach Ansicht der Projektleiterin nichts. Dennoch wurde nachgebessert:

Neue Verträge

„Wir haben jetzt einen Vertrag mit Sony abgeschlossen, um die Hör-CDs in besserer Qualität zu liefern". Was die Sicherheit betreffe, sei ein neuer Anbieter gefunden worden, der die Testaufgaben künftig von der Druckerei zu den Schulen bringen soll. In der Vergangenheit sei es passiert, dass die Testpakete zwar pünktlich in der Schule angekommen sind, der Paketdienst die Prüfungsunterlagen aber einfach beim Portier abgegeben hat. Die Tests müssen, so sind die Vorgaben, im Direktorat abgegeben werden. „Wir haben auch eine gute Druckerei gefunden, bei der es möglich ist, sie während des Drucks hermetisch abzuriegeln".

Wie viele Testaufgaben benötigt werden, das sollen die Schulen künftig über ein Datenerfassungs- und Verwaltungssystem bekannt geben - „so präzise wie möglich", sagt Friedl-Lucyshyn. Bei der 2. Lebenden Fremdsprache trete beispielsweise nicht die gleiche Anzahl von Schülern zur Matura an, die auch im Unterricht sitzt. Das gelte es beim Eingeben zu berücksichtigen.

Rückkopplungseffekt

Apropos Unterricht: Die teilzentrale Matura soll nach Vorstellung der Bifie-Expertin einen Rückkopplungseffekt auf die Gestaltung des Unterrichts haben. „Die Reifeprüfung sollte kompetenz- und nicht wissenorientiert sein. Wenn Schülerinnen und Schüler einen modernen Fremdsprachenunterricht hatten, müssen sie ohne Vorbereitung in die Klausuren gehen und diese auch bewältigen können. Dass das nicht bei 100 Prozent so geht, ist aber klar."

Für Mathematik gilt das gleiche. Die Mathematura soll in zwei Teile gegliedert werden: Beim ersten sollen die Grundkompetenzen, die man sich im Laufe der Oberstufe angeeignet hat, abgeprüft werden, der zweite soll die Schulart abbilden. „Das Hinlernen auf die Prüfung, ‚learning to the test‘, geht hier nicht. Es geht um den kontinuierlichen Kompetenzaufbau", sagt Friedl-Lucyshyn. Die teilzentrale Matura in Mathematik soll 2011/12 an 20 Pilotschulen erprobt werden, die Matura in den Unterrichtssprachen - neben Deutsch zählen auch Ungarisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Slowenisch dazu - 2012/13. Sprachlich steht man da noch vor Herausforderungen: „Wahrscheinlich müssen wir bei den drei Sprachen ins Ausland ausweichen, um die Beispiele zu erproben".

Widerstände

Gegen die Zentralmatura gibt es Widerstände, die spürt auch Friedl-Lycyshyn: „Bei den Lehrern ist es ein großer Tabubruch. Denn erstmals benoten nicht die Lehrenden die Arbeiten". Mittels Lehrerfortbildungen an den Unis sollen die Unsicherheiten beseitigt werden. Schon bald sollen laut Dagmar Hackl, Leiterin der Pädagogischen Hochschule in Wien, die Konzepte dafür erstellt werden. "Da wir keine AHS-Lehrer ausbilden, sondern nur die Fortbildung für sie anbieten, sprechen wir das Programm mit den einzelnen Schulen ab," sagt Hackl. Sie selbst ist froh über die Zentralmatura: "Für mich, die ja Maturantinnen und Maturanten aufnimmt, gibt das eine Sicherheit, egal aus welchem Bundesland die Studenten kommen."  (Marijana Miljkovic, derStandard.at, 26. August 2009)

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    Die Zentralmatura wird zur Reifeprüfung (im Bild das gleichnamige Stück im Wiener Volkstheater) sowohl für die Lehrer als auch für die Organisatoren.

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