"Eine Idee, die vielen Köpfen entspringt ..."

25. März 2003, 11:40
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Die sechste Ausgabe der Diagonale wurde mit programmatischen Statements und dem Spielfilmdebüt von Nina Kusturica eröffnet

Wien/Graz - Am Montagabend wurde die sechste Diagonale in der Grazer Helmut-List-Halle eröffnet. Und sie wird, so kann man annehmen, wohl die letzte ihrer Art sein:

Den Plänen von Kunststaatssekretär Franz Morak (VP), das "Festival des österreichischen Films" neu und "besser" zu positionieren - laut jüngsten Aussagen Moraks gegenüber dem STANDARD steht dabei inzwischen auch der angestammte März-Termin zur Disposition - begegneten die scheidenden Intendanten Christine Dollhofer und Constantin Wulff in ihrer Eröffnungsrede mit einem programmatischen Resümee.

Darin wurde unter anderem über die vergangenen fünf Jahre Bilanz gezogen - die Diagonale konnte etwa die Publikumszahlen auf 25.000 verdoppeln, die Festivaldauer verlängern und von drei auf vier Spielstätten aufstocken. Diese "Erfolgsgeschichte" charakterisierten Wulff, der nach sechs Ausgaben des Festivals auf eigenen Wunsch als Intendant abtritt, und Dollhofer, deren Weiterbewerbung nach neun Monaten des Hinhaltens vom BKA mit einer Neuausschreibung beantwortet wurde, als das Ergebnis des Zusammenwirkens vieler "Köpfe", Faktoren und wechselseitiger Impulse zwischen dem Festival und dem heimischen Filmschaffen:

"Nur wer das komplexe Miteinander von Entwicklung, Herstellung, Vertrieb, Promotion, Ausbildung und Forschung und die Notwendigkeit der filmischen Vielfalt erkennt, kann sinnvolle Strukturen schaffen, auf deren Basis ein nachhaltiger Erfolg möglich ist."

"Oft auch unbequem"

"Wer die Entwicklung der Diagonale in Graz verfolgt hat, der wird schnell erfahren haben, dass das Festival ein erfreuliches Zusammenspiel verschiedenster Kräfte war und ist. Die Diagonale ist eine Idee, die vielen Köpfen entspringt. Sie bringt in besonderer Weise das Kreative, das Ökonomische und das Gesellschaftliche zusammen.

Ohne den erklärten Willen von Kultur, Wirtschaft, Medien und Politik, dieses Festival wie bisher in dieser - oft auch unbequemen - Form zu unterstützen, wäre die Diagonale nicht die Diagonale, so wie wir sie kennen."

Schließlich hieß es - offenkundig im Hinblick auf den Umstand, dass der Kunststaatssekretär dem Festival des österreichischen Films bislang (wie auch in diesem Jahr) notorisch ferngeblieben ist: "Die Diagonale ist kein von oben verordnetes Kulturevent. Sondern sie ist das Ergebnis einer Arbeit und der Fantasie von vielen. Nur wer nie in Graz vor Ort an der Diagonale war, kann der Meinung sein, er könne seine Vorstellung eines Filmfestivals in Graz verwirklichen und dem Festival eine gewünschte Richtung geben. Und auch wenn dies nur beschränkt Sinn macht: Müsste man sich entscheiden, wem die Diagonale gehört, dann ist eines klar: Wenn, dann gehört die Diagonale den Filmschaffenden und dem Publikum."

Mit dem Eröffnungsfilm setzt die scheidende Intendanz einmal mehr einen prononcierten Auftakt zu einer Woche Ausblick auf das heimische Filmschaffen: "Auswege", das Spielfilmdebüt der jungen Regisseurin Nina Kusturica, porträtiert drei Frauen, die in Gewaltbeziehungen leben beziehungsweise sich daraus zu lösen suchen.

Bleibt zu wünschen, dass dem Film wie manchen seiner Vorgänger eine eigene internationale Erfolgsgeschichte ermöglicht wird. (Isabella Reicher, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 25.3.2003)

  • Ausschnitt aus "Auswege"
    foto: diagonale
    Ausschnitt aus "Auswege"
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