Karroubi will Beweise für Vergewaltigungen Gefangener zeigen

19. August 2009, 13:43
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Oppositionspolitiker bittet um Treffen mit Irans Führung

Teheren/Wien - Der iranische Oppositionspolitiker, Ex-Präsidentschaftskandidat und frühere Parlamentspräsident Mehdi Karroubi will Staatspräsident Mahmoud Ahmadinejad Beweise für Vergewaltigungen von Regierungsgegnern in iranischen Gefängnissen vorlegen. Der unterlegene Kandidat bei der umstrittenen Juni-Wahl bat dazu am Mittwoch in einem Brief an Parlamentspräsident Ali Larijani um ein Treffen mit hochrangigen offiziellen Vertretern. Larijani hatte Karroubis Vorwürfe bisher als haltlos zurückgewiesen.

"Ich bitte Sie, ein Treffen zu arrangieren, bei dem ich meine Dokumente und Beweise zum sexuellen Missbrauch in einigen Gefängnissen persönlich darlegen kann", erklärte Karroubi in dem Schreiben gemäß der Webseite von Karroubis reformorientierter Zeitung "Etemade-e-Melli", die am Sonntag von den Behörden vorübergehend geschlossen worden war. Bei dem Treffen sollten auf Wunsch Karroubis neben Ahmadinejad und Larijani auch der als Hardliner geltende neue Justizchef Sadeq Larijani, der frühere Präsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani und der Staatsanwalt anwesend sein.

Auf Vergewaltigung steht die Todesstrafe

Karroubi, der zu den Anführern der Protestbewegung nach dem Präsidentenwahlen am 12. Juni gehört, war unter Beschuss geraten, weil er Berichte über Misshandlungen und Vergewaltigungen inhaftierter Demonstranten an die Öffentlichkeit gebracht hatte. Vergewaltigung ist ein Delikt, das im Iran - wie Mord, Drogenhandel und "Feindschaft gegen Gott" - mit dem Tode bestraft wird. Parlamentspräsident Ali Larijani hatte die Vorwürfe als "reine Lügen" zurückgewiesen und erklärt eine "präzise und umfassende" Untersuchung habe keinen einzigen Fall bestätigen können. Konservative Hardliner haben seitdem wiederholt die Verhaftung Karroubis gefordert. Oppositionsführer Mir-Hossein Moussavi hatte am Dienstag Karroubis Vorwürfe unterstützt.

Mindestens 200 Menschen sind nach den Protesten gegen den Ausgang der Präsidentenwahl noch in Haft. Die Opposition wirft den Behörden Wahlbetrug zugunsten des konservativen Amtsinhabers Ahmadinejad vor. (APA/Reuters)

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