Rotraud Perner ist 65

19. August 2009, 14:55
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Als Juristin, Psychoanalytikerin, Soziologin, Kommunalpolitikerin und überzeugte Pädagogin bündelt die Tausendsasserin ihre Passionen in beruflichem Erflog

Wien - Juristin aus Gerechtigkeitssinn, Psychoanalytikerin aus Zufall, Soziologin, ehemalige Kommunalpolitikerin und immer mehr überzeugte Pädagogin: Die mit dem Goldenem Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (Gewaltprävention und Salutogenese) ausgezeichnete Rotraud Perner hat am 18. August ihren 65. Geburtstag gefeiert.

"Jus hab' ich - rückblickend - studiert, weil ich schon als Kind so viel Ungerechtigkeiten, Vorurteile, Verleumdungen und Verspottungen erlebt habe", sagt sie in einem APA-Interview im August. Aber Schuld- und Freisprüche - erlebt als Praktikantin am Kreisgericht Wiener Neustadt - griffen der nunmehrigen Jubilarin zu kurz. Jahre als volkswirtschaftliche Referentin in der Österreichischen Nationalbank (1968 bis 1976), teilweise mit Zimmergenossen Franz Vranitzky, Studium der Soziologie (1971/1972), SP-Bezirksrätin in Wien-Favoriten und Gründung der Familienberatungsstelle in diesem Bezirk ließen Perner schließlich via Konsulententätigkeit für die Wiener Jugendzentren und die Gründung des "Vereines zur Förderung einer qualifizierten Kinder-, Jugend-, Partner- und Sexualberatung (1975) zur Psychoanalyse kommen.

"Ich habe bei dem Psychoanalytiker Harald Picker Kurse besucht. Er, Leiter des Sozialtherapeutischen Instituts, hat mir von einer Beobachtung erzählt. Er hat gesagt: 'Alle Leute projizieren ihre eigenen unbewussten Reaktionen auf Dich. Warum machst Du das nicht zu Deinem Beruf." Dieser Vorschlag führte zur Psychoanalyse-Ausbildung nach Sigmund Freud.

Wobei sich Rotraud Perners Zugang zur Psyche wandelte, meint die praktizierende Zen-Buddhistin im Interview: "Wenn man in einem Konflikt zu Rat gezogen werde, kann man alle 'Marionetten' analysieren. Aber auch das greift zu kurz. Man sollte doch die 'Spindel', also dieses Kreuz beeinflussen können, an dem die Puppe(n) hängt." Das führte zu einem systemischen Ansatz und zu einer Ausbildung in systemischer Sexualtherapie. Die Psychoanalytikerin brachten diese Einsichten (auch) zur Mediation.

Die Permanent-Schreiberin und Besitzerin einer Bibliothek von rund 20.000 Büchern aller nur möglichen Wissensgebiete will auf diese Weise Hilfe zur Stress- und Krisenbewältigung, auch zur Glücksmehrung anbieten. "Ich stelle Handlungsmöglichkeiten dar. Ich stelle dar, warum der Betroffene in bestimmten Situationen eben nicht so reagieren sollten, wie sie es leicht tun könnten", erzählt Rotraud Perner über ihren Ansatz.

Nicht dienen, sondern kämpfen und führen

Anlässlich ihres 65. Geburtstages erscheint im Kösel Verlag ein 224-seitiges Buch Perners mit dem Titel "Königin!", in dem sie das weibliche Rollenbild in der Gesellschaft im Wandel der Zeit diskutiert. Nicht zu kurz kommen dabei biografische Einschübe des Geburtstagskindes selbst, die auch den Weg und die Einstellungen der als Ratgeberin in diversen Medien bekannten Österreicherin erklären. Beim Wort "Königin" denkt die Psychoanalytikerin vor allem an Selbstbewusststein und die Aufgabe und Fähigkeit, Führung bzw. Verantwortung zu übernehmen. Am Beispiel von Berufsleben und partnerschaftlichen Beziehungen thematisiert die Juristin Stolperfallen und Problemfelder von Konkurrenz- und Machtverhältnissen bis hin zu Sexualität. Weibliche Würde und Selbstachtung sind das große Anliegen der Psychoanalytikerin in diesem Buch: "Wirklich schöpferisch ist eine Frau, wenn sie sich nicht danach richtet, was ein anderer von ihr will", bilanziert Perner. Also: Königinnen sollen nicht dienen, sondern kämpfen und führen. (APA)

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    "Alle Leute projizieren ihre eigenen unbewussten Reaktionen auf Dich. Warum machst Du das nicht zu Deinem Beruf?" - dieser Vorschlag führte die studierte Juristin Perner zur Psychoanalyse-Ausbildung.

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