Wie die Afghanistan-Wahl ausgehen könnte

19. August 2009, 11:50
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Legitimität des Siegers so oder so ziemlich eingeschränkt

Kabul - Die Präsidentenwahl in Afghanistan wird laut Umfragen auf eine zweite fünfjährige Amtszeit von Hamid Karzai hinauslaufen. Anders als vor fünf Jahren dürfte er allerdings nicht auf Anhieb die erforderliche absolute Mehrheit erhalten. Anfang Oktober müsste er sich dann einer Stichwahl gegen seinen voraussichtlich stärksten Herausforderer, den früheren Außenminister Abdullah Abdullah, stellen. Nach zwei Umfragen aus der vergangenen Woche kommt Karzai derzeit auf etwa 45 Prozent der Stimmen, Abdullah auf etwa 25 Prozent. Der Amtsinhaber hat sich seither die Unterstützung zweier berüchtigter Kriegsherren gesichert: Ismail Khan aus dem Westen und der für Massenmorde verantwortlich gemachte Usbeken-General Abdul Rashid Dostum aus dem Norden stehen jetzt hinter ihm.

Die verschiedenen Nach-Wahl-Szenarien:

- Karzai siegt bereits in der ersten Runde

Der Paschtune ist der einzige Kandidat, dem Chancen auf einen Sieg bereits in der ersten Runde eingeräumt werden. Bei der Wahl 2004 war ihm dies mit 55 Prozent der Stimmen gelungen. Die Afghanen betrachten Karzai mit gemischten Gefühlen; die Sicherheitslage in etlichen Regionen hat sich in den vergangenen fünf Jahren trotz einer massiven Aufstockung der internationalen Truppen stark verschlechtert. Viele halten seine Regierung für korrupt, ineffizient und dem Westen ergeben. Seine Konkurrenten haben auch bereits signalisiert, dass für sie ein Sieg Karzais im ersten Durchgang nur auf Wahlfälschung beruhen könne.

- Karzai muss sich Stichwahl stellen

Der Präsident wäre weiter Favorit. Er stünde aber vor einer neuen Herausforderung, da sich seine Gegner dann hinter Abdullah sammeln dürften. Zudem verlässt sich Karzai teils auf die Unterstützung früherer Kriegsherren und verhasster Provinzfürsten, die sich von ihm zurückziehen und das Lager wechseln könnten, wenn sein Sieg nicht länger sicher scheint. Abdullahs Wurzeln und größte Unterstützung liegen im Norden, wo die von Tadschiken geprägte Nordallianz den Taliban lange Widerstand leistete. Sein Vater war allerdings wie Karzai Paschtune, so dass Abdullah im Wahlkampf im Süden ebenfalls Anhänger gewinnen konnte. Ob dies für einen Sieg gegen Karzai ausreicht, ist allerdings fraglich.

- Die Wahlen werden durch Anschläge massiv gestört

Nie seit dem Sturz der Taliban 2001 war die Gewalt im Land so heftig wie heute, und vor den Wahlen hat sich die Lage noch verschlimmert. Die Taliban haben zu einem Boykott der Wahl aufgerufen und wollen sie verhindern. Unklar ist, ob die Islamisten dabei besonders Wähler und Stimmlokale im Visier haben. Nach UN-Angaben haben die Einschüchterungen und Anschläge die Vorbereitung und den Wahlkampf gestört und könnten viele Afghanen von der Stimmabgabe abhalten. Der Schwerpunkt der Gewalt liegt im Süden des Landes, wo Karzai einen Großteil seines Rückhalts hat. Kommt es dort zu massiven Angriffen oder Anschlägen, könnte dies die Wahrscheinlichkeit einer Stichwahl erhöhen. Die Gewalt erleichtert außerdem Versuche der Wahlfälschung, was die Legitimität des Ergebnisses in den Augen der Afghanen in Zweifel ziehen könnte.

- Massive Fälle von Wahlbetrug

Westliche Diplomaten bezeichnen es als ihr Hauptziel, dass die Wahl als glaubwürdig und legitim angesehen wird. Große Entfernungen, mächtige Provinzherrscher, die hohe Analphabetenrate und schwache Institutionen machen es allerdings schwierig, Wahlbetrug zu unterbinden. Es gibt bereits Berichte über gefälschte Wahlkarten, die zum Verkauf angeboten werden, und eine verdächtig hohe Zahl von Frauen, die als Wählerinnen registriert wurden - möglicherweise von Männern, die die Stimmzettel dann nach ihrem Gutdünken ausfüllen. (APA/Reuters)

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