Das visionäre Europa der besseren Menschen

19. August 2009, 11:04
3 Postings

"Wir bauen Europa um", haben sich die Globalisierungskritiker von Attac auf ihre Fahnen und auf die Buchdeckel geschrieben

"Wir bauen Europa um", haben sich die Attac-Globalisierungskritiker um Christian Felber auf ihre Fahnen und auf die Buchdeckel geschrieben, zwischen denen die Neuordnung einer kränkelnden kapitalistischen Struktur hin zu einer an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichteten Welt nachvollzogen wird.

"Letztlich waren es die große Rezession nach dem Finanz-Crash 2008 und eine ordentliche Portion Mut statt Verzweiflung, die das Ganze ins Rollen brachten", so das rückschauende Urteil aus einer Zukunftswelt, in der im Sinne Attacs alles gut geworden ist. Die Krise und die Probleme mit dem EU-Verfassungsvertrag werden Ausgangspunkt für eine Welt engagierter Demokraten, die dafür sorgen, dass Finanzmärkte global reguliert werden, die Uno gestärkt wird, Menschenrechte in den Vordergrund gestellt werden. Ein effizienter Verfassungskonvent strich Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit aus dem EU-Zielkatalog. Unternehmen gehen ab einer gewissen Bilanzsumme anteilsmäßig in offizielles Eigentum über und Öl notiert in der weltweiten Verrechnungseinheit "Globo". Neu-Atlantis.

"Europa der Europäer" als Vision

Das alte Gegenargument, wonach bessere Demokratie bessere Menschen bräuchte, die nachhaltig und kollektivistisch handeln, wird aber nicht ausgehebelt. Den eigenen Wohlstand zugunsten fairen Umgangs mit anderen zu schmälern, funktioniert als grundsätzliche Deklaration. Als individuelle Forderung hört sich das für Wähler, die angesichts kurzfristig orientierter Politik auf ihren unmittelbaren Vorteil bedacht sind, nicht so gut an. Ob die "emanzipatorische Bildungsprozesse, die Menschen zum eigenständigen Handeln ermächtigen", das ausbügeln können? Andere halten das Projekt Aufklärung längst für tot und in der Geschichte begraben.

Vermittler zwischen Realität und Traum spielen Beiträge prominenter Schreiber: Der UN-Beauftragte gegen Folter, Manfred Nowak, fordert die Umsetzung bestehender Menschenrechtsvereinbarungen, Grünen-Urgestein Freda Meissner-Blau erklärt, warum der Standpunkt des Buches gegen alle Einwände wichtig ist: In ihm sei das Europa der Europäer "als Vision greifbar. Das ist auch die Chance seiner Verwirklichung." (Alois Pumhösel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.8.2009)

  • Attac (Hg.): Wir bauen Europa neu. Wer baut mit? Residenz 2009, 224 S., € 17,90

    Attac (Hg.):
    Wir bauen Europa neu. Wer baut mit?
    Residenz 2009, 224 S., € 17,90

Share if you care.