Renate Götschl beendet Karriere

19. August 2009, 10:08
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Steirerin erwartet ein Kind - Den Beinamen "Speed Queen" verpasste ihr 1998 eine kanadische Zeitung

Gaflenz - Renate Götschl, eine der erfolgreichsten Ski-Rennläuferinnen der Alpin-Geschichte, hat am Mittwoch ihren Rücktritt bekanntgegeben. Die 34-jährige Steirerin ist schwanger und hängt deshalb ihre Ski noch vor dem Olympia-Winter 2009/10 an den Nagel. Die "Speed Queen" genannte Götschl hat im Laufe ihrer Karriere u.a. WM-Gold, den Gesamt-Weltcup, fünfmal den Abfahrts-Weltcup und 46 Weltcup-Rennen gewonnen. "Ich werde mich in Zukunft meinem Privatleben widmen", erklärte Götschl. Ihr Kind erwartet sie im Frühjahr.

Nur der Traum von Olympia-Gold blieb unerfüllt 

Im Winter 1998 gewann Renate Götschl am 27. und 28. November die beiden Ski-Weltcup-Abfahrten in Lake Louise. Die Tageszeitung "Calgary Sun" ernannte die Österreicherin daraufhin kurzerhand zur "Speed Queen" - ein Beiname war geboren, der Götschl fortan durch den Rest ihrer Karriere begleiten sollte. Seit Mittwoch ist die Laufbahn der 34-jährigen Steirerin aufgrund bevorstehender Mutterfreuden zu Ende, nur der Traum vom letzten großen sportlichen Ziel Olympia-Gold bleibt unerfüllt.

Götschl war nicht nur dank eines kanadischen Journalisten die "Speed Queen", sie trug den Namen jahrelang völlig zurecht. Allein in ihrer Paradedisziplin Abfahrt gewann sie fünfmal den Spezial-Weltcup (1997, 1999, 2004, 2005, 2007), 24 Weltcup-Rennen, WM-Gold (1999), WM-Silber (2001), WM-Bronze (2005) und Olympia-Bronze (2002). Ihren ersten Weltcup-Sieg hatte Götschl aber ausgerechnet im Slalom gefeiert. Am 17. Jänner 1993 hatte sie zwei Monate nach ihrem Weltcup-Debüt als damals 17-jährige Schülerin in Hafjell mit Startnummer 42 gewonnen.

Österreichs am 6. August 1975 in Judenburg geborene zweifache Sportlerin des Jahres (1997, 2005) war auf allen Weltcup-Strecken zu Hause, auf einer allerdings ganz besonders. Im italienischen Traditions-Skiort Cortina hat Götschl nicht weniger als zehn Weltcup-Rennen (je fünfmal Abfahrt und Super G) gewonnen. Öfter hat kein Skifahrer in ein und demselben Ort triumphiert. In dieser Hinsicht verblasst sogar Schwedens Ski-Legende Ingemar Stenmark, der in Madonna "nur" achtmal gesiegt hat.

"Grande Dame"

Auch in der Rangliste der meisten Weltcup-Siege der Geschichte wird Götschl in einem Atemzug mit den Allergrößten genannt. Hinter Annemarie Moser-Pröll (62 Siege) und Vreni Schneider (55) liegt Götschl aktuell auf Rang drei, im Super G (17 Mal Platz eins) ist sie überhaupt die absolute Nummer eins. Die "Große Kugel" für den Gesamt-Weltcup hat sie ebenfalls erobert (2000).

Nur Olympia hat es mit der "Grande Dame" aus dem obersteirischen Schwarzenbach bei Obdach nie wirklich gut gemeint. 1994 in Lillehammer stürzte sie als 18-Jährige in der Abfahrt und verletzte sich. Nagano verließ sie 1998 als mehrfach geschlagene Favoritin medaillenlos und fast schon traumatisiert. 2002 in Salt Lake City war sie dann mit Kombi-Silber und Bronze in der Abfahrt endlich erfolgreich und zugleich "Retterin der Nation". 2006 in Turin gab es Rang vier und damit nur "Blech" in der Abfahrt. 

Keinerlei Wehmut

In den verabschiedenden Worten von Götschl war am Mittwoch keinerlei Wehmut zu erkennen, lediglich große Vorfreude auf einen neuen Abschnitt. Tränen gab es für die TV-Kameras und Fotografen ebenfalls nicht einzufangen. "Eine Heulsuse war ich noch nie", erinnerte Götschl. Ihr Speed-Bedürfnis muss sie nun nun bis auf weiteres zurückschrauben. Stattdessen wird es Götschl in Zukunft weitaus ruhiger angehen: "Schwammerln suchen, Himbeeren pflücken und etwas Gutes kochen. Langweilig wird mir sicher nicht." (APA)

  • "That's not Mancuso, that's Gotschl!". Renate Götschls letzter Sieg, die Abfahrt von Lenzerheide 2007.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die "Speed Queen" erklärt ihren Rücktritt, ihre Weltcuprennen im Überblick.

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