Handynutzung gibt Aufschluss über Freundeskreis

19. August 2009, 09:55
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Studie: Freundeskreis lässt sich anhand von Mobilfunkdaten feststellen Handydaten bereichern sozialwissenschaftliche Untersuchungen

 Anhand seiner Gesprächs- und Umgebungsdaten können Rückschlüsse auf den Freundeskreis eines Mobiltelefonnutzers gezogen werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die am Santa Fe Institute  durchgeführt und im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht wurde. Die Forscher haben dafür 94 Mobiltelefone in den USA mit einer speziellen Aufzeichnungssoftware ausgestattet, die es ihnen erlaubt hat, ein breites Datenspektrum über die Mobilfunkaktivitäten der Nutzer zu sammeln.

Bemerkenswerte Unterschiede

"Die Software ist unsichtbar für den Nutzer, aber sie zeichnet alles auf: Die Kommunikation, die Orte, an denen er sich aufhält sowie Daten zu seiner Umgebung, die über Bluetooth generiert werden", erklärt Nathan Eagle, der Lead-Autor der Studie, gegenüber BBC News. Diese Daten wurden in der Folge mit Fragebögen, die die Probanden ausfüllen mussten, verglichen - mit bemerkenswerten Unterschieden, wie Eagle berichtet: "Wir fanden heraus, dass die Antworten der Befragten äußerst ungenau waren. Die, die eine andere Person als Freund bezeichneten, überschätzten die Zeitdauer, die sie mit ihr verbrachten, maßlos. Personen, zwischen denen keine Freundschaft bestand, haben die Zeitdauer, die sie miteinander verbrachten, wiederum stark unterschätzt."

Wer sind meine Freunde

Mithilfe der Daten, die die "Über-Spyware" geliefert hat, haben Eagle und sein Team mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit feststellen können, welches Personenpaar eine Freundschaft verbindet und welches nicht. Die gesammelten Umgebungsdaten wurden danach auch noch mit jenen Befragten, die sehr zufrieden mit ihrer beruflichen Tätigkeit waren, verknüpft. Heraus kam, dass jene Personen, deren Freunde sich in der Nähe ihres Arbeitsplatzes befanden, glücklicher waren als solche, die am Arbeitsplatz mit Freunden telefonierten. Somit wäre der Schluss zulässig, dass persönliche Kommunikation im Vergleich zur Kommunikation übers Mobiltelefon glücklicher macht. Trotzdem ist bei der Deutung der Ergebnisse Vorsicht angebracht, schließlich ist für die Studie nur ein kleines Sample von nicht einmal 100 Probanden verwendet worden. Aus diesem Grund hat man auch bereits eine größere Studie mit 1.000 Teilnehmern in Finnland durchgeführt, allerdings noch nicht veröffentlicht, erläutert Eagle.

Großes Potenzial

Der Forscher sieht in der Verknüpfung der Daten aus der Sozialwissenschaft mit jenen aus dem Mobilfunk großes Potenzial: "Mobilfunkdaten sind fantastische Ergänzungen für die in der Sozialforschung ohnehin schon sehr tief gehenden Erkenntnisse in Bezug auf Befragungen." Eagle sieht einige Möglichkeiten, um sich Informationen aus dem mobilen Bereich zu Nutze zu machen. Denkbar wären zum Beispiel die Darstellung von der Verbreitung einer Krankheit innerhalb eines Gebiets oder auch Hilfestellungen für Städteplaner. "Wir haben gerade aufgezeichnet, als die Red Sox zum ersten Mal die Meisterschaft gewonnen haben. Plötzlich wurde das Verhalten aller überwachten Subjekte unvorsehbar. Alle strömten zu einer Zusammenkunft ins Stadtzentrum Bostons", schildert Eagle. Städteplaner hätten sich in der Folge sehr an dieser Aufzeichnung interessiert gezeigt, da sie wissen wollten, wie die Menschen die urbane Infrastruktur nutzten. "Wir können ihnen echte Einblicke geben, um dereinst eine bessere Stadt zu bauen, eine, die den tatsächlichen Verhaltensweisen der Einwohner entspricht", so der Wissenschafter abschließend.(pte)

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