Grünen-Chef Rauch will in die Regierung

19. August 2009, 09:43
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Bei Verfehlen dieses Ziels lässt sich der 50-Jährige seine Zukunft offen

Bregenz - Vorarlbergs Grünen-Chef Johannes Rauch ist seit Jahren eine Konstante im politischen Geschehen im westlichsten Bundesland. Seine von ihm definierte Rolle ist die des querdenkenden Oppositionellen, der die Landes-ÖVP auf Trab hält und sich mit Vorliebe mit Landeshauptmann Herbert Sausgruber matcht. Dank seiner Wahlerfolge in Vorarlberg hat Rauch im Lauf der Zeit auch in der Bundesorganisation eine gewichtige Stimme erhalten. Am 20. September unternimmt er seinen vielleicht letzten Anlauf, die Oppositionsbank zu verlassen.

Er will bei der Landtagswahl zu den bestehenden vier Sitzen ein Mandat hinzugewinnen und die FPÖ als Regierungspartner der ÖVP ablösen. Die Grünen lägen "relativ stabil" bei zehn Prozent, "jedes Zehntelprozent darüber muss man sich hart erarbeiten". Der Plafond ist für ihn aber nicht erreicht: "Es gibt noch Luft nach oben". Es gebe allerdings viele Unwägbarkeiten, etwa die Kandidatur der "Gsiberger". "Das könnte uns das fünfte Mandat kosten und die ÖVP-FPÖ-Regierung sichern", so Rauch.

Zukunft offen

Der 50-jährige Rauch macht keinen Hehl daraus, dass er nicht bis zu seiner Pensionierung Oppositionspolitiker zu bleiben gedenkt. Der Drang, in der Landesregierung mitzugestalten, ist stark - obwohl oder gerade weil das Regieren in Vorarlberg eine unantastbare ÖVP-FPÖ-Angelegenheit zu sein scheint. Seine Zukunft jedenfalls lässt Rauch offen: Schaffen es die Grünen nicht weg von der Oppositionsbank, sind auch ein Wechsel in die nationale Politik oder in die Privatwirtschaft mögliche Optionen. Offizielles Wahlziel ist der Sprung von vier auf fünf Mandate.

Der ehemalige Sozialarbeiter Rauch versteht sich und seine Partei als Ideengeber und Innovationstreiber, der er auch in der Landesregierung sein möchte. Er betont die Philosophie der Nachhaltigkeit nicht nur beim Umweltthema oder der Energiefrage. Die Regierungsparteien schimpfen die Grünen zwar oft "Verhinderer", davon will Rauch aber nichts wissen. Er sieht sich und seine Fraktion als jene Gruppierung in Vorarlberg, die die Probleme seriös durchdenkt. Der Fokus der Grünen liege nicht auf der nächsten Wahl, sondern auf der nächsten Generation.

Auch im Kontakt mit den Wählern versucht der Grünen-Chef neue Wege, indem er zwei (aussichtslose) Plätze auf der Landtagswahlliste mit Hilfe des Online-Netzwerks Facebook vergeben hat. Als Persönlichkeit ist Rauch, der vor einigen Jahren eine schwere Krankheit überstehen musste, als grundsätzlich offener Charakter über die Parteigrenzen hinweg geschätzt und respektiert.

Diplomierter Sozialarbeiter

Als Grüner der ersten Stunde - Rauch war 1987 Mitbegründer des "Grünen Forums" in seiner Heimatgemeinde Rankweil (Bezirk Feldkirch) - erreichte Rauch mit seiner Partei wiederholt Wahlerfolge. 2004 kam er bei der Landtagswahl auf 10,17 Prozent, bei den jüngsten drei Nationalratswahlen übertrafen die Grünen in Vorarlberg das Ergebnis der Bundesorganisation stets deutlich. Das hat seiner Stimme auch in Wien, wo er im neunköpfigen Bundesvorstand der Grünen sitzt, Gewicht verliehen.

Innerhalb der Vorarlberger Partei, deren Vorstandssprecher (Parteiobmann) er seit 1997 ist, sorgte speziell sein Einzug in den Landtag im Februar 2000 für Wirbel: Bis dahin war es in der grünen Fraktion aus Unvereinbarkeitsgründen unmöglich gewesen, dass der Parteisprecher zusätzlich ein Mandat als Landtagsabgeordneter übernimmt. Das entsprechende Statut wurde zunächst für ein Jahr außer Kraft gesetzt und anschließend mit großer Mehrheit abgeschafft.

Rauch wurde am 24. April 1959 geboren, ist seit 1981 verheiratet und Vater zweier Töchter. Der diplomierte Sozialarbeiter ist seit Februar 2004 Berufspolitiker. Zuvor führte er seit 1997 die Geschäfte der im selben Jahr gegründeten "Arbeitsinitiative für den Bezirk Feldkirch". Politisch war er von 1990 bis 1996 als Umweltgemeinderat in Rankweil aktiv. Bei den Vorarlberger Grünen sitzt er seit 1995 im Landesvorstand. Seinen Ausgleich findet Rauch beim Klettern, Radfahren und Lesen. (APA)

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