Hochspannung in Kabul vor Wahl

19. August 2009, 17:32
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Kurz vor der Präsidentschaftswahl am Donnerstag haben die Taliban ihre Angriffe fortgesetzt und Angst in der Zivilbevölkerung geschürt

Der UN-Generalsekretär rief zur Wahl auf.

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Kabul - Die Präsidentenwahlen in Afghanistan geraten zur Kraftprobe mit den Taliban. Nach einer Welle von Terrorattacken wächst im Westen die Angst vor einem Wahldebakel an diesem Donnerstag. Man fürchtet weitere Anschläge und Chaos. Sollten sich nur wenige Wähler zur Stimmabgabe trauen, stünde das Wahlergebnis in Frage. "Wenn es diesmal weniger als 30 Prozent sind, haben wir Ärger" , sagte der Afghanistan-Experte Ahmed Rashid dem US-Magazin Newsweek. 2004 hatten die Afghanen noch Schlange vor den Wahllokalen gestanden, so sicher fühlten sie sich. Damals hatten sich über 70 Prozent beteiligt.

Am Mittwoch stürmten Bewaffnete eine Bank in Kabul und verschanzten sich. Erst nach einem mehrstündigen Feuergefecht sei es Polizisten gelungen, das Gebäude einzunehmen und drei Angreifer zu erschießen, gaben die Behörden an. Bei den Getöteten handele es sich um Aufständische, hieß es.

Die radikalislamischen Taliban warnten die Bevölkerung erneut vor der Teilnahme an der Abstimmung. Sprecher Sabiullah Mudschahid teilte mit, die Straßen des Landes seien bis Donnerstagabend für den Verkehr gesperrt. Wer dies missachte, trage selbst die Verantwortung, sollte etwas passieren. Das Verteidigungsministerium wies die Drohung zurück. "Wir haben die Kontrolle über alle Straßen im Land und schützen sie mit Bodentruppen und Flugzeugen" , sagte ein Sprecher.

Trotz der Gewalt rief UN-Generalsekretär Ban Ki-moon die Afghanen dazu auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Mit der Beteiligung an der Abstimmung würden die Afghanen helfen, die demokratischen Institutionen zu stärken und neue Kraft ins politische Leben ihres Landes bringen, erklärte Ban. Letztlich würden sie so ihren Einsatz für Frieden und Entwicklung in ihrem Land unter Beweis stellen, heißt es in der in New York verbreiteten Erklärung.

Bei der Wahl treten 36 Kandidaten an, Amtsinhaber Hamid Karsai gilt als Favorit. Unsicher ist aber, ob ihm wie 2004 ein Sieg in der ersten Runde gelingt. Sein wichtigster Herausforderer ist der frühere Außenminister Abdullah Abdullah. Das Wahlergebnis soll offiziell am 3. September verkündet werden. Weite Wege und der schwierige Transport der Stimmzettel aus entlegenen Dörfern machen Manipulationen bei der Auszählung möglich.

Um landesweit einen weitgehend störungsfreien Verlauf der Abstimmung zu sichern, sind mehr als 300.000 Sicherheitskräfte im Einsatz, darunter etwa 100.000 ausländische Soldaten. Erst am Dienstag waren bei zwei Selbstmordanschlägen in Kabul sowie in der südlichen Provinz Urusgan mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen. Die Regierung untersagte den Medien vor dem Wahltag Berichte über Anschläge. (möc, dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 20.8.2009)

 

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    Panikszenen in Kabul: Ein afghanischer Soldat richtet während einer Schießerei vor einer Bank sein Gewehr auf Passanten, um sie vom Schauplatz zu vertreiben.

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