Drei mutmaßliche ETA-Terroristen festgenommen

19. August 2009, 09:03
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Eines der meistgesuchten Mitglieder darunter - Kein direkter Zusammenhang zu Bombenlegern von Mallorca

Madrid - Die französische Polizei hat drei mutmaßliche Terroristen der baskischen Untergrundorganisation ETA festgenommen. Dies teilte das spanische Innenministerium am Mittwoch in Madrid mit. Unter den Festgenommenen ist auch eines der sechs meistgesuchten Mitglieder der Organisation, Alberto Machain Beraza. Er gilt als einer der Architekten der jüngsten Terroroffensive der ETA. Ob die Festgenommenen direkt in die jüngsten Anschläge auf der Ferieninsel Mallorca verwickelt waren, blieb aber vorerst unklar.

Beraza scheint mit fünf weiteren Verdächtigen auf einem Fahndungsplakat auf, mit dem die spanische Polizei nach den Bombenlegern von Mallorca suchte. Der spanische Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba äußerte sich aber zurückhaltend zur möglichen Rolle der drei Festgenommenen bei den Mallorca-Anschlägen, bei denen zwei Polizisten starben und 46 Menschen verletzt wurden.

Das im Bergort Le Corbier an der italienischen Grenze festgenommene Trio sei in der baskischen Untergrundorganisation für die Logistik zuständig gewesen, sagte Rubalcaba am Mittwoch in Madrid. Es habe die Terroristen der ETA mit Sprengstoff, Waffen und Munition versorgt. Auf die Frage, ob die drei Männer auch die Bomben für die Anschläge auf Mallorca beschafft hätten, antwortete der Minister: "Das kann man noch nicht sagen." Dazu müssten die Ermittler das in der Wohnung der Festgenommenen sichergestellte Material auswerten.

An der Polizeiaktion in den französischen Alpen, die seit Monaten vorbereitet wurde, waren neben der Gendarmerie auch spanische Beamte beteiligt. Die drei Festgenommenen wurden von den Polizisten in einer Wohnung im Schlaf überrascht. Sie waren bewaffnet und hatten falsche Papiere. Nach einem der Verdächtigen, Aitzol Etxaburu, war bereits seit vier Jahren gefahndet worden. Der Mann gilt als der Chef des logistischen Apparats der ETA. Der dritte Verdächtige Andoni Sarasola wurde als der Bruder eines ETA-Terroristen identifiziert, der sich wegen eines Bombenanschlags auf den Madrider Flughafen im Dezember 2006 in Haft befindet.

Beraza saß im Jahr 2003 eine einjährige Haftstrafe ab, weil er ein Plakat zur Unterstützung von zwei getöteten ETA-Terroristen geklebt hatte. Etxaburu wird mit einem Autobombenanschlag auf einen Industriebetrieb in Vicolozano im Jahr 2005 in Verbindung gebracht. Sarasola trat auch als Spitzenkandidat einer ETA-nahen Partei bei den Gemeinderatswahlen in Lasaka (Provinz Navarra) in Erscheinung.

Die ETA hat jüngst deutliche Lebenszeichen von sich gegeben. Am 29. Juli zündete sie in der nordspanischen Stadt Burgos vor einer Polizeikaserne eine Autobombe und verletzte 65 Menschen. Einen Tat später kamen bei einem Anschlag im mallorquinischen Badeort Palmanova zwei Beamte der paramilitärischen Guardia Civil ums Leben. Die Sicherheitsbehörden leiteten daraufhin eine beispiellose Großfahndung ein und riegelten Flughäfen und Häfen ab. Am 9. August forderte die ETA die Behörden mit vier weiteren Bombenexplosionen auf der Ferieninsel heraus, die jedoch nur Sachschaden anrichteten.

Die auch von der Europäischen Union als Terrororganisation eingestufte ETA kämpft für einen unabhängigen Baskenstaat in Nordspanien und Südwestfrankreich. Dabei sind in den vergangenen 40 Jahren mehr als 800 Menschen getötet worden. (APA/dpa/Reuters)

 

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