Mayr-Melnhof rüstet für noch härtere Zeiten

19. August 2009, 17:36
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Kartonhersteller will Kapazität aus dem Markt nehmen und Preiseinbruch verhindern

Wien - Die Mayr-Melnhof-Gruppe, weltweit größter Erzeuger von Recyclingkarton und Europas führender Erzeuger von Faltschachteln, sieht noch kein Licht am Ende des Tunnels namens Wirtschaftskrise. Der positive Ausblick, mit dem manche Ökonomen schon wieder hausieren gingen, sei nichts anderes als ein "Triumph der Fantasie" , sagte Vorstandsvorsitzender Wilhelm Hörmanseder bei der Präsentation der Halbjahreszahlen am Mittwoch. "Derzeit will man nur das Gute hören, aber weniger schlecht ist noch nicht besser."

Mayr-Melnhof bereite sich jedenfalls auf noch härtere Zeiten vor. Vor allem die Arbeitslosigkeit, die im zweiten Halbjahr und auch 2010 noch kräftig steigen dürfte, bereitet Hörmanseder Sorgen. "Wir sind mit unseren Produkten direkt von der Konsumneigung der Konsumenten abhängig. Geht die zurück, was bei steigender Arbeitslosigkeit zu erwarten ist, spüren das auch wir" , sagte der Mayr-Melnhof-Chef. Durch selektive Produktionsstillstände, die es auch im ersten Halbjahr gegeben hat, versuche man in den nächsten Monaten, dem erwarteten Preisdruck bei Karton durch eine Verringerung des Angebots entgegenzuwirken.

Von Jänner bis Juni hat Mayr-Melnhof von niedrigeren Einstandspreisen für Rohstoffe und billigerer Energie profitiert. Der Umsatz ging zwar um 14 Prozent auf 769,4 Mio. Euro zurück, das Betriebsergebnis (Ebit) brach aber nur um 12,6 Prozent auf 70,2 Mio. Euro ein. Damit erhöhte sich die Ebit-Marge sogar leicht von 9,0 auf 9,1 Prozent.

Einen Ausblick für das Gesamtjahr 2009 blieb Hörmanseder schuldig. Die Unwägbarkeiten seien zu groß, Energie und Rohstoffe würden schon wieder teurer, Kunden immer kurzfristiger bestellen.

Die Wirtschaftskrise trifft auch das mehr als 150 Mio. Euro teure Projekt einer Reststoffverbrennungsanlage am Hauptstandort von Mayr-Melnhof im steirischen Frohnleiten: Weil potenzielle Lieferanten im Moment nicht garantieren können, die notwendigen 400.000 Tonnen Industrieabfälle zum Betrieb der Anlage liefern zu können, ruht das Projekt.

Beim Projekt in Iran hingegen laufe alles nach Plan. Gegen Jahresende will man in Teheran die Produktion von Zigarettenverpackungen aufnehmen - als erstes westliches Unternehmen. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.8.2009)

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