Hildegard Behrens
1937-2009

19. August 2009 08:01
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    Foto: apa

    Hildegard Behrens, eine nahbare und kluge Singschauspielerin

     

Die Sopranistin erlag in Tokio einem Aneurysma

Tokio - Der Triumph als Starsopranistin des deutschen Fachs war Hildegard Behrens durchaus nicht an der Wiege gesungen worden. Die Arzttochter studierte die trockene Jurisprudenz in Freiburg im Breisgau, ehe sie untypisch spät ihre Ausbildung zur Sängerin absolvierte.

Es blieb Herbert von Karajan vorbehalten, die nachmalige Wagner- und Strauss-Heroine anlässlich einer Wozzeck-Probe in der Düsseldorfer Rheinoper aufzuspüren, um 1977 befreit ausrufen zu können: "Zehn Jahre habe ich auf eine Salome gewartet. Vielleicht habe ich sie gefunden!"

Behrens war dann auch mehr als ein "Fundstück": Ihr leuchtendes Debüt bei den Salzburger Festspielen in Salome markierte den Einstieg in eine Opernkultur, deren gestiegene Ansprüche sie souverän zu bedienen wusste.

Behrens' Wunder waren nicht allein die makellosen Höhen oder das makellose Schillern stimmlichen Golds (mit dem sie verlässlich bezauberte). Ihr wendiger Sopran kam den Anforderungen einer subtilen, psychologisch nuancierten Rollengestaltungskunst ideal entgegen.

Wer bloß auf das "Lyrische" oder das "Kantable" setzt, wird bei ihr noch immer gut bedient. Doch verfehlt derjenige Stimmliebhaber ihren Genius: Die Behrens konnte wie keine andere die Sorgen, Nöte und Desaster solcher Frauengestalten ins Werk setzen, die sich gegen den Wust der Konventionen, gegen die Übermacht der Welt als emanzipierte Wesen triumphal in ihr Recht setzen.

War jemals in den letzten 30 Jahren eine Wagner'sche Isolde geistesgegenwärtiger und klüger als diejenige der Behrens - aufgenommen Mitte der 1980er (und noch auf Vinyl gepresst) während einer konzertanten Tristan-Aufführung Leonard Bernsteins in München?

Die schauspielerisch hochbegabte Sängerdarstellerin arbeitete mit Karl Böhm und Sir Georg Solti. Ganz behutsam übernahm sie die Sopranstafette des deutschen Fachs, ersetzte Vorgängerinnen wie Leonie Rysanek - und war, wie neben ihr sonst vielleicht nur die formidable Gwyneth Jones, der Star eines immer sachlicheren, auf Nachvollziehbarkeit und Einfühlung abgestimmten Singstils.

Die grandioseste Brünhilde der letzten Jahrzehnte, die in späteren Jahren auch die Kundry und die Küsterin gab, unterrichtete zuletzt und sang vor allem konzertant. Vor einem geplanten Liederabend starb sie 72-jährig unerwartet in Tokio an einem Aneurysma. (Ronald Pohl / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.8.2009)

(Anm: Aneurysma = Aufblähung und schließlich Platzen einer Arterie)

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11 Postings
chilli p.
19.08.2009 12:52
mein beieid der familie -

unvergessen wird mir das interview im orf bleiben, wo sie vor dem leicht befremdeten h. zoglauer nach einer - glaube ich - strauss-premiere in der garderobe genüsslich ein großes kaltes bier getrunken hat.

anton-aus-tyrol
 
19.08.2009 12:41
Echt traurig!

Was für eine Stimme!! Begnadet...

RIP

ron kreitler
19.08.2009 12:16
Ein trauriger Tag

Ich errinere mich an dem Tag im Dezember 1992 als ich die Behrens als Brunnhilde, an der Seite von Domingo, in der Staatsoper gehort habe.

Napoleon Bonaparte
 
20.08.2009 22:49
Daran denk ich auch noch manchmal

und erinnere mich an die gute, alte Zeit, als nich Sänger in der Oper gab und nicht nur Medienhypes.

Auch die Marschallin und ihre Tosca bleiben mir unvergessen!!

Merci für die vielen Abende, an denen ich heiser vom Bravorufen nach Hause ging.

BRAVO!!!
N.

Napoleon Bonaparte
 
20.08.2009 22:58
"als es noch Sänger gab" sollte es heißen!

N.

karottes
19.08.2009 10:24
traurig

karottes
19.08.2009 14:45

Sorry - aber welcher I..ot macht zu soetwas ein rotes Stricherl????

karottes
19.08.2009 16:53

Nein wirklich, ich möchte es wissen. Da bedauert jemand den Tod einer Person und jemand fühlt sich bemüßigt, das negativ zu bewerten. Da komm ich nicht mit! Erklärt es mir bitte!!!!

karottes
20.08.2009 00:07
Ok

keine Erklärung, einfach nur rot Strichi machen, so aus Prinzip, aus Pubertät Nachhol, ich weiß es nicht....
Bleibt mir ein Rätsel.

Andreas Schmidt
19.08.2009 09:14
Der Wappler liebt Musik von Richard Wagner

Mein Opernherz blutet. Es ist sehr schade um sie, denn das war noch die letzte hochdramatische Wagner-sopranistin!

ron kreitler
19.08.2009 12:14
nicht die letzte aber...

eine aussergewohnliche gute hochdramatiche Wagner sopranistin!

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