Protest soll Linzer Stadtautobahn nicht verzögern

18. August 2009, 19:56
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Kritiker sammelten 11.000 Unterschriften, Straßenbaulandesrat Franz Hiesl rechnet mit Baufortschritt nach Plan

Linz - Mehr als 11.000 Unterschriften wurden gegen den Bau der Linzer Westringautobahn (A26) abgegeben. Dieses Ergebnis präsentierten die "Überparteiliche Plattform gegen die Westring-Transitautobahn mitten durch Linz" und das "Verkehrsforum Oberösterreich" Dienstag in Linz. Am 13. August war die Einspruchsfrist beim UVP-Verfahren abgelaufen. Die Gegner sprechen von einem "Riesenerfolg" in ihrem Kampf gegen die geplante A26.

Der zuständige Straßenbaulandesrat Franz Hiesl (VP) hingegen meint, dass dies "überraschend wenig" Einsprüche sind. Denn nicht die Zahl der Unterschriften sei relevant, sondern jene der "1000 bis 1500" Einsprüche, die beim Infrastrukturministerium eingelangt sind. "Was mich wundert, denn etwa bei der Umfahrung Mattighofen war mit 3000 Einsprüchen deutlich mehr Widerstand da", meint Hiesl.

Die eingereichten Westring-Bedenken werden jetzt vom Ministerium noch einmal auf ihre Gültigkeit hin überprüft, Ende des Jahres soll es dann zu einer öffentlichen Anhörung kommen. "Die wird wahrscheinlich im Linzer Design Center stattfinden und gut eine Woche dauern. Wer Einspruch erhoben hat, könne dort dann seine Bedenken vor einer Expertenkommission äußern", erläutert Hiesl.

Der Straßenbaureferent sieht das Ergebnis einer Market-Umfrage bestätigt. Diese belege die "große Zustimmung der Bewohner des Zentralraumes Linz und des Mühlviertels für eine Stadtautobahn, 80 Prozent sind dafür, nur zehn Prozent dagegen". Doch die Gegner des Projekts sprechen von "zahlreichen Halbwahrheiten rund um das Autobahnprojekt". Der Westring löse keine Verkehrsprobleme, bringe den Linzern nicht die versprochene Entlastung, sondern vielmehr den Transitverkehr von Tschechien nach Italien, argumentieren die Bürgerinitiativen.

Unterstützung erhalten sie dabei von den Linzer Grünen. Ein Gutachten über die Verkehrsentwicklung an sieben städtischen Kreuzungen habe ergeben, dass diese "2025 total überfordert sein werden", sagt Grün-Stadtrat Jürgen Himmelbauer. Selbst die Straßenfinanzierungsgesellschaft Asfinag geht davon aus, dass der Verkehr in Puchenau bei Linz um elf Prozent zunehmen werde.

Außerdem habe die Einsicht in die Planungsunterlagen gezeigt, dass es zu einer "unerträglichen Lärmbelastung und Einschnitten im Landschaftsbild" kommen werde, ergänzt Grünen-Umweltsprecherin Gerda Lenger: "Ein Riesenproblem ist die Luft und der Lärm." Im Bereich Kärntner Straße etwa werde wohnen nicht mehr möglich, sondern nur mehr arbeiten erlaubt sein. Gemeinsam mit den Bürgerinitiativen fordert sie: "Der Westring muss zurück an den Start."

Laut Plan 2015 fertig

Hiesl hingegen spricht von einem Baubeginn noch in diesem Jahr - ohne Verzögerungen. Der Westring, die Nord-Süd-Verbindung durch Linz, wird in zwei Bauabschnitten umgesetzt. Zuerst die vierte Donaubrücke mit dem Anschluss zum Hauptbahnhof, der unterirdisch verläuft, danach der Nordtunnel. Geplante Fertigstellung: frühestens 2015. Kosten: mindestens 585 Millionen Euro. (Kerstin Scheller, Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe, 19.08.2009)

 

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