Jenapharm mitverantwortlich

18. August 2009, 19:51
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Pharmakonzern stellte laut Studie seit 1960er-Jahren Dopingmittel und Präparate zur Verschleierung von Doping her - Jenapharm: "Moralische Mitverantwortung"

Jena - Der Arzneihersteller Jenapharm war laut einer Studie mitverantwortlich für die Dopingpraktiken im DDR-Sport. Das belege eine noch unveröffentlichte Untersuchung des Historikers Klaus Latzel, die von der heutigen Jenapharm GmbH & Co KG in Auftrag gegeben und finanziert worden ist, berichtete das MDR Thüringen Journal am Dienstag. Jenapharm-Geschäftsführer Viktor Geisler räume eine "moralische Mitverantwortung" ein, sagte ein Unternehmens-Sprechers der dpa. Dieser Verantwortung habe sich das Unternehmen durch die Einigung mit DDR-Dopingopfern Ende 2006 gestellt.

Dem Bericht zufolge hat VEB Jenapharm seit den 60er Jahren "unterstützende Mittel" für den Sport hergestellt. Zum Teil seien die Substanzen ohne klinische Tests und damit auch nach DDR-Recht illegal an Sportler gegeben worden, berichtete der MDR. Der Betrieb habe auch Präparate entwickelt, die die Einnahme von Dopingmitteln verschleierten. Die Leitung des Betriebes sei in den Staatsplan der DDR-Sportführung zur Herstellung und Entwicklung von Dopingmitteln einbezogen gewesen und verantwortliche Mitarbeiter mit nennenswerten Prämien belohnt worden.

Durch die Beteiligung an dem "insbesondere Körper und Seelen von zum Teil minderjährigen Sportlerinnen und Sportlern schädigenden Großprojekt sind sie aus heutiger Sicht (...) moralisch mitverantwortlich für dessen Folgen", zitiert der MDR aus der Studie. Jenapharm sei Bestandteil des staatlichen Doping-Systems der DDR gewesen, weil das Unternehmen Arzneimittel hergestellt habe, die für Dopingzwecke eingesetzt wurden, erklärte Geisler der dpa. "Allerdings war der VEB Jenapharm, das zeigt die Studie, keine treibende, keine initiierende Kraft innerhalb des Doping-Systems."

Die Studie stützt sich laut MDR auf Akten der Birthler-Behörde, der DDR-Pharmabetriebe, von Forschungsinstituten sowie anderen wissenschaftlichen Arbeiten. Zudem seien Verantwortliche des VEB Jenapharm befragt worden. Nicht geklärt werden konnte den Angaben zufolge, in welchem Ausmaß Dopingmittel an Kindern und Jugendlichen erprobt wurden, weil etliche Akten der DDR-Pharmabetriebe bis 2002 vernichtet worden seien.

Jenapharm hatte sich Ende 2006 mit Dopingopfern darauf geeinigt, 184 Sportlern freiwillig ein Schmerzensgeld von je 9250 Euro zu zahlen. Hinzu kam eine Zahlung an den Verein Doping-Opfer-Hilfe. (APA)

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