Vergabestreit bei Pensionistenwohnhaus

18. August 2009, 19:47
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Auftraggeber will neues Verfahren, erstgereihtes Architekturbüro erhob Einspruch

Wien - Fenster, die sich nicht ohne Hilfe des Pflegepersonals öffnen lassen, zu viele Stufen zwischen altem und neuem Bauteil - perfekt war laut dem Fonds "Kuratorium Wiener Pensionistenwohnhäuser" keiner der eingereichten Entwürfe für den Umbau des Pensionistenwohnhauses Liebhartsthal 2 in Wien-Ottakring.

Weshalb die fünf Architekturbüros, die es in die zweite Stufe des Verhandlungsverfahrens schafften, auch gebeten wurden, ihre Entwürfe noch einmal zu überarbeiten. Was, so Fonds-Sprecherin Gerda Füricht-Fiegl, vier Bieter auch taten - nur das von einer Bewertungskommission erstgereihte Büro Delugan Meissl sei ein zweites Mal mit exakt demselben Entwurf vorstellig geworden.

Der stadteigene Fonds entschied sich deshalb gegen einen Zuschlag für Delugan Meissl. Worauf die Architekten, die unter anderem ein Hochhaus am Wienerberg, die Donaucity sowie das Porschemuseum in Stuttgart planten, beim Wiener Vergabekontrollsenat Einspruch erhoben - und recht bekamen. Eine weitere Adaptierung nach einem Jury-Entscheid sei nicht üblich.

Wer das Seniorenheim in der Ottakringer Straße umbauen wird, ist trotzdem noch völlig offen: Der Auftraggeber will bei der Suche für einen Generalplaner ganz von vorne anfangen - und hat das gesamte Verfahren widerrufen. Wogegen wiederum Delugan Meissl Einspruch erhoben hat. "Es sieht so aus, als wollte man Delugan Meissl von Anfang an herausboxen", sagt Anwältin Petra Rindler, "und weil das nicht gelungen ist, will man das Verfahren nun wegen nicht näher genannter förderrechtlicher Bestimmungen widerrufen." Der Vergabekontrollsenat hat nun zwei Monate Zeit, eine Entscheidung zu treffen.

Der Fonds Wiener Penionistenwohnhäuser, der in Wien 31 Einrichtungen betreibt, will in den nächsten Jahren drei "innovative Wohn- und Pflegehäuser" aufsperren. Ältere Menschen sollen bei einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustands künftig nicht mehr vom Einzelappartement in eine Pflegestation umziehen müssen, ihr Umfeld soll sich vielmehr - dank flexiblen Wohneinheiten - ihren Bedürfnissen anpassen. Ein Planer, der das gemeinsam mit dem Krankenanstaltenverbund erarbeitete Konzept im vorgegebenen Kosten- und Zeitrahmen verwirklichen kann, ist aber offenbar nicht leicht zu finden.

Enge Kriterien

Zumindest eins der drei Projekte ist auf Schiene: Nach den Entwürfen von Architekt Rüdiger Lainer soll in der Grinzinger Allee ein neues Haus mit 252 Plätzen entstehen. Beim dritten innovativen Wohnheim - so wie beim Haus Liebhartsthal eine Adaptierung eines bereits bestehenden Heims - wird demnächst die Stufe zwei im Verhandlungsverfahren erreicht. Drei Bieter sollen sich am Ende um den Zuschlag für das Haus Rosenberg in Hietzing matchen.

Die Wiener Architektenkammer hat bereits im Vorfeld die engen Kriterien der Ausschreibung kritisiert: Nachdem als Voraussetzung Erfahrungen beim Zu- und Umbau eines Penionistenheimes genannt wurden, kämen nur eine Handvoll Architekten infrage. Laut Füricht-Fiegl ein Irrtum: "Es sind gerade nicht die üblichen Verdächtigen dabei." (Martina Stemmer, DER STANDARD Printausgabe, 19.08.2009)

 

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