Anpassungskünstler und Wappentier

18. August 2009, 19:41
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Die Schnäbel der Galápagos-Finken gelten als Inspiration zur Evolutionstheorie

Mangrovefinken gehören zu den Galápagos- oder Darwin-Finken, einer Singvogelgruppe mit 14 sehr nah verwandten Arten, die ausschließlich auf den Galápagos-Inseln und der nahen Cocos-Insel verbreitet sind. Die Mangrovefinken bewohnen dichte Mangrovenwälder mit viel Falllaub, in dem sie nach Nahrung - hauptsächlich Insekten und Spinnentiere - suchen.

Ihrem Namen zum Trotz sind die Darwinfinken nicht am nächsten mit den Finken, sondern mit den europäischen Ammern verwandt. Sie unterscheiden sich voneinander vor allem durch ihre verschiedenen Schnabelformen, die eine Anpassung an die unterschiedlichen ökologischen Nischen darstellen, die sie besetzen.

Eine Frage des Futters

Opuntienfinken etwa trinken den Nektar von Kakteen und Vampirfinken das Blut von Seevögeln, Spechtfinken verwenden kleine Zweige oder Kaktusstacheln, um Insekten aus Ritzen und Spalten herauszuoperieren. Die Häfte der Darwinfinken sind aber Samenfresser. Schon ein halber Millimeter mehr Schnabellänge kann darüber entscheiden, ob eine harte Schale noch geknackt werden kann oder nicht und so den Unterschied zwischen Überleben und Hungertod bedeuten.

Ein populärer Mythos besagt, Darwin hätte beim Anblick der vielfältigen Schnabelformen ein Aha-Erlebnis gehabt, das zur Entwicklung seiner Theorie geführt hätte. Tatsächlich nahm er, als er die Inseln 1835 im Zuge seiner fünfjährigen Forschungsreise an Bord der "Beagle" besuchte, 31 Bälger der dort lebenden Vögel mit - ohne sich ihrer Bedeutung bewusst zu sein.

Erst nach seiner Rückkehr nach England wurden die Tiere vom Ornithologen John Gould klassifiziert. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um bisher unbekannte Arten handelte, die sich von einem gemeinsamen Vorfahren auf dem Festland ableiten ließen. Entgegen damals herrschender Lehrmeinungen schloss Darwin daraus, dass sich auch alle anderen Arten im Laufe der Zeit durch geografische Separation aus einer Stammform entwickelt haben konnten. Bis dahin ging man davon aus, dass die verschiedenen Tier- und Pflanzenarten einzeln von Gott geschaffen waren und sich, da sie ja schon vollkommen waren, nicht mehr veränderten.

Zum Wappentier der Evolutionstheorie wurde der GalápagosFink jedoch erst im 20. Jahrhundert. (strn/DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2009)

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    Die detailgetreuen Zeichnungen von John Goulds Frau Elizabeth zeigen die vielfältigen Schnabel-formen der Galápagos-Finken, die Zugang zu verschiede- nen Nah- rungsquellen ermöglichen.

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