Gutes Geld für den ausrangierten Drahtesel

  • Typenvielfalt hinterm Bürogebäude: Hier stehen die alten Räder, bis sie vom Bewährungshilfe-Verein Neustart hergerichtet werden.
    foto: fischer

    Typenvielfalt hinterm Bürogebäude: Hier stehen die alten Räder, bis sie vom Bewährungshilfe-Verein Neustart hergerichtet werden.

Für die neue Wiener Radverschrottungsprämie gibt es nach einer Woche schon mehr als 1000 Anmeldungen

Wien - Wer die Radverschrottungsprämie möchte, muss an Wolfgang Grilnberger vorbei. Geld gibt es nur, wenn er mit dem Rad einen Achter fahren kann - außer es ist ein Kinderrad. Dann drückt und zieht und schaut der ARBÖ-Mitarbeiter nur.

Herr Grilnberger arbeitet im Fahrsicherheitszentrum in Kagran. Er inspiziert jene Räder, die Leute gegen 70 Euro eintauschen wollen. Die abgegebenen Räder werden vom Bewährungshilfe-Verein Neustart hergerichtet und verkauft. Seit 10. August vergibt die Stadt Wien die Prämie an Menschen, die sich ein neues Rad kaufen und ihr altes beim ARBÖ abgeben. Derzeit ist das Kontingent auf 500 Prämien begrenzt, doch es gibt schon mehr als 1000 Anmeldungen. Interessierte können sich im Internet registrieren. Sieben Tage haben sie Zeit, ihren alten Drahtesel zum ARBÖ zu bringen. Bedingung: Das alte Rad muss der Straßenverkehrsordnung entsprechen.

Und das tun nicht alle. "Manche Leute kommen mit Rädern, die sie aus dem nächsten Müllcontainer gezogen haben", erzählt Herr Grilnberger. Meist hapert es zudem bei der Beleuchtung. "Entweder fehlt das Licht oder die Reflektoren." Bei kleineren Mängeln - und wenn der Überbringer freundlich ist - lässt der Radexperte mit sich reden: "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus."

Oft nicht vorschriftsmäßig

Nicht den Vorschriften entsprach beim ersten Besuch hier auch das Rad, das Reinhard Gemel eintauschen will: Der Rückstrahler fehlte. Inzwischen hat der Büroangestellte einen neuen gekauft und mitgebracht. "Beim Montieren tu ich mir schwer", entschuldigt er sich. Das Rad, das er abgeben möchte, gehört seiner Freundin, das neue, das er gekauft hat, ist ebenfalls für sie. Noch weiß sie nichts von ihrem Glück. "600 Euro, drei Stunden und viele Nerven" hat das Geschenk gekostet, sagt er. Die Idee sei ihm wegen der Prämie gekommen.

Auch Elisabeth Wagner hätte sich ohne Prämie keinen neuen fahrbaren Untersatz gekauft. Sie bringt ein altes Rennrad, ihr "Zweitrad", mit: Mit ihm sei niemand mehr gefahren. Auch das neue Rad ist nur für seltene Einsätze. "Damit ich bei der Mutter auch eines stehen habe." Für 200 Euro hat sie es im Angebot bekommen.

Wagners altes Gefährt besteht Herrn Grilnbergers Test und darf zu den anderen 200 Drahteseln, die bereits abgegeben wurden, hinter das kleine Bürohaus. Hier stehen Waffenräder von Puch und italienische Rennräder aus den Siebzigern neben bunten Kinderrädern mit Tierköpfen als Klingeln.

An dem Schalter für die Geldauszahlung hat sich eine kleine Schlange gebildet: In der vergangenen halben Stunde sind sechs Leute gekommen. Bei jedem wird die Rechnung fürs neue Rad geprüft, dann muss er unterschreiben, dass das alte ihm gehört. Das, so Herr Grilnberger, sei ebenso wichtig wie die Frage der Funktionstüchtigkeit: "Denn mit Scheißdreck kannst keinen Neustart machen." (Tobias Müller, DER STANDARD Printausgabe, 19.08.2009)

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"Das alte Rad muss der Straßenverkehrsordnung entsprechen."

jaja. Also nur weil das Licht fehlt wird das alte Rad nicht angenommen?
Was soll das. das ist ja absurd. ein total verkehrtüchtiges Rad brauch ich ja nicht gegen ein neues austauschen. Wo ist da der Sinn?

Warum heißt das

Radverschrottungsprämie
wenn nichts verschrottet wird?

Journalistische Freiheit.

Offizieller Name ist Rad-Ökoprämie.

In Anlehnung an die Verschrottungsprämie für PKWs. Soll ein Marketinggag sein, weil das Wort anscheinend recht gut ankommt.

rennradln

wer ein altes rennradl um 70 dem arbö rüberreicht macht vermutlich einen fehler. die dinger sind deutlich mehr wert.

warum ?

weil es derzeit gerade sehr in ist, alte renner aus besagten jahren zu fahren, oder sie zu single speedern oder fixies umzurüsten.

echt - im bgld haben sogar die ungarischen müllsammler die dinger nur mit widerwillen mitgenommen - bzw. vom haus zum mistplatz transportiert.

ja es gibt masochisten - aber ist das sinnvoll?

Ein Rahmen, der vor 15 Jahren federleicht und sauteuer war, kann auch heute noch ziemlich gut sein. Vielen täte es leid um solche "Perlen" (im Web findet man Enthusiasten, die teils Fahrräder aus den 1920er Jahren restauriert haben und benutzen). Andererseits - landet eh nicht in der Schrottpresse, sondern bei Exknackis.

Ein Rad, das vor 15 Jahren schon mies war, ist beim Arbö-Recycling aber vermutlich gut aufgehoben.

hab so einen test in erinnerung (glaub aus tour 2008) die besten stahlrahmen (neu gebaut! in usa gibt da so eine mode) kommen auf note 3, ein carbonrahmen auf 1.7 - also das ist eine andere liga wo stahl einfach nimmer mitkann.

ps.: ich hab noch mein altes peugeot (reynoldsrohr)herumliegen und fahr auch ein stahlcolnago - aber mit den neuen alu/carbon können die nicht mithalten - schade.
ps.: das peugeot hatte schon als neues im wiegetritt eine schaltautomatik :-)
wobei die helicomatic war ein supersystem und stahlkränze nahezu unzerstörbar :-)

federleichte rahmen halten selten so lang.
mein alter mittelklassestahlrenner ist leider in keiner weise mit dem neuen alurenner vergleichbar, abgesehen von der feinen optik. das kann natürlich ein grund sein geld für soeinen alten renner geld auszugeben. aber ich bezweifle das die abgelieferten stvotauglichen schrottprämienrennräder so fesch sind.

technisch kann man die alten alle vergessen - stahlrahmen sowieso - und ja die korosion - ich hab selbst erlebt wie einem freund so ein rahmen während der fahrt beim tretlager zerbrochen ist - dann noch der schaltkomfort, die bremsverzögerung (weinmann mit stahlfelgen :-) usw.
aber die dinger werden meist ja nicht gefahren sondern angeschaut.

eine gute aktion wäre gewesen

via zb ma 48 eine rad-sammel-aktion zu machen, wo jeder seinen rad-müll, wracks, teile etc abgeben kann.

das alles an einen sammelplatz karren, neustart und andere organisationen holen sich dort teile etc. und bauen daraus neue radln, die sie dann verkaufen/versteigern.

das ganze wird von der stadt oder vom bundesland (könnte man ja überall machen) unterstützt.

eine sehr gut Idee!
Dann kann ich endlich amal meine Werkstatt ein wenig ausräumen :-)

seltener blödsinn

ein voll funktionsfähiges und der STVO entsprechendes Rad (Rückstrahler !) wird gegen 70Euro angenommen/gekauft und dem Verein Neustart ZUM HERRICHTEN (!!!???) übergeben, damit die es verkaufen können. Laut zb willhaben.at kosten mittelmässige gebrauchte Räder max 50 euro.

Wieviel Alkohol war da im Spiel ??

Ein mittelmässig gebrauchtes Auto kostet max 2800€

Prost Bruder, (rülps)...

Am Freitag gibts wieder gelegenheit mit dem neugetauschten Rad die stadt zu erobern

www.criticalmass.at

Freiram will erkämpft sein!

die gelegenheit gibts täglich ;-)

aber kollektiv ists lustiger!

ahnst ja garnicht wieviel spass ich täglich dabei hab. so richtig allein bin ich eh nur im winter am radweg.

inzwischen trifft man selbst im Winter noch andere

ah! wir kennen uns also.. :-)

500 Räder, und nur über den ARBÖ?

Da bekommen viele ARBÖ-Mitarbeiter erst einmal ihre Prämie, der Rest schaut durch die Finger. Eine interessante Art Steuergeld zu verpulvern...

Herzelichst
Ihr Lappe

die spö lässt halt keine gelegenheit aus ...

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