Harter Wettlauf um Tafelklassler

18. August 2009, 18:54
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Händler bestellen Hefte zögerlich vor, billige Eigenlabels verdrängen Markenware. Jolly Farben müssen unter ihren neuen Eigentümern aber keine Abstriche machen

Wien - Er sei einst mit dem Vorsatz angetreten, den Bleistift neu zu erfinden, und er arbeite nach wie vor sehr beharrlich daran, sagt Alexander Hromatka. Aber etwas, das sich seit hunderten Jahren bewähre, zu revolutionieren, sei nicht einfach. Also freue er sich auch an kleinen Fortschritten. Etwa daran, die Intensität seiner Malfarben erhöht zu haben und mit gesundheitsverträglicheren Inhaltsstoffen zu arbeiten.

Hromatka ist mit Blei- und Buntstiften in Österreich federführend. Sein Familienunternehmen fertigt in Hirm unter der Marke Cretacolor jährlich mehr als 20 Millionen Stück davon. Vor knapp zwei Jahren hat er die damals schwächelnde Traditionsmarke Jolly übernommen und ihr einen neuen Anstrich verpasst. Das Jolly-Werk in Bulgarien wurde verkauft und die Produktion mit ihren 30 Mitarbeitern in Graz konzentriert. Die Auslieferung aus der Slowakei stellte er ein, vertrieben wird nur noch über Österreich. "Wir bauen die Exporte aus, aber ohne Harakiri-Aktionen."

Jolly schrieb unter dem früheren Eigentümer Kirchdorfer jahrelang rote Zahlen. Der Umbau habe auch die Bilanz 2008 belastet, sagt Hromatka. Heuer aber erziele Jolly gemeinsam mit Cretacolor Gewinne. Insgesamt hundert Mitarbeiter setzen 18 Mio. Euro um, die Hälfte der Produktion geht in den Export. Bei Jolly sorge das Schulgeschäft für 45 Prozent des Umsatzes; Schulwaren spiegelten die Vorlieben der Eltern wider, und das komme Jolly zugute, glaubt Hromatka. Die Marke sei in Österreich eben durch die Hände dreier Generationen gegangen.

Die Krise habe seinen Absatz bisher nicht beschnitten. Er frage sich aber, ob die zusätzliche Familienbeihilfe gezielt in den Nachwuchs investiert werde oder im allgemeinen Haushaltsbudget aufgehe.

80.000 Tafelklassler

80.000 Tafelklassler drücken im September erstmals die Schulbänke. Dazu kommen 1,2 Mio. Schüler und Studenten. Der Papierhandel hofft alle Jahre wieder auf bis zu 300 Mio. Euro Umsatz und damit ein Drittel seines Jahresgeschäfts.

Die flaue Konjunktur hinterlasse sehr wohl ihre Spuren, sagt Thomas Riemer, Chef der Format-Werke, die in Gunskirchen neben Geschäftsbüchern, Zeichen- und Collegeblöcken 30 Mio. Schulhefte im Jahr drucken, die Hälfte davon für den Export. Der Handel habe bisher nur zögerlich bestellt. Zu groß ist die Angst vor vollen Lagern und knapper Liquidität, ist zu hören.

Riemer sieht auch den Bedarf an Büromaterial sinken. Dass die Produktion in Oberösterreich weiter voll ausgelastet sei, dafür sorge das wachsende Auslandsgeschäft. Unterm Strich werde sein Unternehmen mit hundert Mitarbeitern heuer 21 Millionen Euro umsetzen.

Im Handel zieht das Rennen um Tafelklassler viele Branchenfremde an. Sport Eybl etwa hat es einmal probiert, Forstinger wollte mitnaschen. Der eine musste die Hefte teils verschenken, beide ließen es letztlich sein. Möbelhäuser pflegen das Geschäft mit Füller, Block und Co nach wie vor. Große Anteile am Kuchen holt sich auch Interspar. Der Trend gehe weg von Markenware zu Eigenmarken, ist man sich im Konzern sicher. Die Arbeiterkammer rät zu Preisvergleichen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2009)

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