Die Dollar-Million liegt beim IOC

18. August 2009, 18:04
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IOC bestätigt dem ÖOC Erhalt von Bußgeld – ÖSV-Anzeige gegen Jungwirth hinfällig?

Lausanne/Wien - Anfang August 2008 brachte der ÖSV eine Anzeige gegen den Ex-Generalsekretär des ÖOC, Heinz Jungwirth, wegen Untreue ein. Es geht um die Million Dollar, die der ÖSV dem ÖOC zahlte, um die vom IOC gegen das ÖOC ausgesprochene Strafe zu begleichen. Das IOC hatte die Sanktion gegen das ÖOC im Anschluss an die ÖSV-Doping-Affäre in Turin ausgesprochen. Der ÖSV zahlte. Nun behauptet er eine "Zweckbindung" an die "Bekämpfung von Doping und die Verbesserung der medizinischen Betreuung" .

Gestern hat das IOC schriftlich bestätigt, dass das ÖOC ihm als Folge der Sanktionen eine Million bezahlt habe. Das Schreiben liegt dem Standard vor (siehe Download links).

Im Protokoll der ÖOC-Sitzung vom 29. Mai 2007 steht nichts von einer Zweckbindung der ÖSV-Zahlung, die übrigens in vier Raten erfolgte. ÖÖC-Vizepräsident Peter Schröcksnadel sagt namens des von ihm geführten ÖSV zu, die Strafe zu übernehmen. "Unpräjudiziell" , wie im Protokoll steht. Der ÖSV gesteht damit keine Beteiligung an Dopingvergehen.

Weiter im Protokoll: ÖOC-Präsident Leo Wallner will dem IOC vorschlagen, die ÖSV-Dollar für den angekündigten Kampf gegen das Doping zu verwenden. Zustimmung. In derselben Sitzung scheidet Schröcksnadel - angeblich freiwillig - aus dem ÖOC.

Wenn jemand die Dollarmillion missbräuchlich verwendet haben könnte, dann das IOC, an das Wallner die ÖSV-Zahlungen jeweils weiterwinkte. ÖOC-Geschäftsführer Matthias Bogner: "Wir haben die Zahlungen des ÖSV prompt weitergeleitet."

Die ÖSV-Argumentation

Dann hat der ÖSV Jungwirth angezeigt. Der ÖSV-Anwalt Manfred Ainedter argumentiert, es handle sich nicht um eine Anzeige, sondern bloß um eine "Privatbeteiligung" an den Ermittlungen der Salzburger Staatsanwaltschaft gegen Heinz Jungwirth. Der Verdacht stehe im Raum, so die ÖSV-Darstellung, dass im Zuge der Bewerbung um die Winterspiele 2014 die ÖSV-Million missbräuchlich im Olympia-Förderverein verwendet wurde. Den Verein leitete Jungwirth. Ainedter: "Wir haben Akteneinsicht beantragt."

Die Salzburger Staatsanwältin Eva Danninger-Soriat: "Ich werte das als Sachverhaltsdarstellung, denn der Umstand mit der Million Dollar war mir vorher nicht bekannt. Der ÖSV kann sich jetzt nicht als Privatbeteiligter aus der Verantwortung schleichen." ÖSV-Präsident Schröcksnadel kann ab sofort der Salzburger Staatsanwaltschaft quasi über die Schulter schauen und weiß, was sie gegen Jungwirth zusammenträgt.

Danninger-Soriat leitet die Ermittlungen gegen Jungwirth, den strategischen Berater der Bewerbung Erwin Roth, den ehemaligen Geschäftsführer der Salzburger Bewerbungs GesmbH für die Winterspiele 2014, Fedor Radmann, sowie dessen Nachfolger Gernot Leitner und Rudolf Höller. "Es haben sich so viele Verdachtsgründe angesammelt, dass Untersuchungen gerechtfertigt erscheinen." Die ihr aus den Zeitungen bekanntgewordene Tatsache, dass Jungwirth massive Rückzahlungen geleistet habe, sei bemerkenswert.

Roth hat vor der Staatsanwaltschaft bereits ausgesagt, Jungwirth noch nicht. Und ÖOC-Präsident Wallner hat angeblich einen Termin im September angeboten. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe, 19.8.2009)

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