Albträume

Neues Wissen könnte bei Psychosen helfen

18. August 2009 16:29
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    Foto: apa/dpa/peter kneffel

    Die Angst, die wir verspüren, wenn uns im Traum ein Raubtier angreift, ist sehr real

Psychosen und Träume haben mit Phantasievorstellungen zu tun - Unterscheidung zwischen "wahr" und "Wahn" könnte erlernbar sein

Manche Menschen werden sich beim Träumen bewusst, dass sie sich in einem Traum befinden. Erstmals haben Wissenschaftler der Universitäten Bonn, Darmstadt und Mainz sowie der Harvard Medical School jetzt gezeigt, dass das Gehirn bei sogenannten "Klarträumen" zwei Bewusstseinszustände gleichzeitig einnimmt. Das schlafende Gehirn träumt und unternimmt zeitgleich eine kritische Bewertung und Realitätsüberprüfung dieser Traumphantasien. Diese Ergebnisse sind theoretisch interessant, sie haben jedoch auch wichtige klinische Implikationen, zum Beispiel für die Behandlung von Alpträumen und das Verständnis von Psychosen. Der Artikel erscheint in der September-Ausgabe der Zeitschrift "Sleep".

Albträume sind auch deshalb so schrecklich, weil der Träumende sie für bare Münze nimmt. Manche Menschen merken aber, dass es sich nur um Phantasiebilder handelt. Diese Fähigkeit lässt sich augenscheinlich trainieren. Das legt die internationale Pilotstudie nahe. Sie sind möglicherweise auch für die Diagnose und Therapie von Psychosen von Interesse. Diese gehen - wie Träume - mit Phantasievorstellungen einher, die die Patienten nicht als solche identifizieren können.

Produkte der Phantasie

Traumerlebnisse sind reine Produkte unserer Phantasie. Im Schlaf merken wir das jedoch in aller Regel nicht, sondern nehmen sie für bare Münze. Die Angst, die wir verspüren, wenn uns im Traum ein Tiger angreift, ist daher auch sehr real. Wenn Schlafende während eines Traums plötzlich realisieren, dass sie nur Phantasiebilder sehen, spricht die Wissenschaft von "Klarträumen". "Bislang wusste aber niemand, was dabei genau in unserem Gehirn passiert", sagt Ursula Voss vom Institut für Psychologie der Universität Bonn.

Phänomen "Klartraum"

Zusammen mit Kollegen aus Darmstadt, Mainz und Harvard hat sie das Phänomen "Klartraum" genauer unter die Lupe genommen. Als Versuchspersonen dienten ihnen zwanzig Bonner Psychologie-Studenten. Zunächst versuchten die Forscher, die Klartraum-Wahrscheinlichkeit durch ein gezieltes Training zu erhöhen. Dazu nahmen die Probanden an wöchentlichen Trainings-Sitzungen teil. "Sie sollten sich beispielsweise Situationen überlegen, anhand derer sie Traum von Realität unterscheiden konnten", erklärt Ursula Voss. "Also etwa: Wenn ich mir die Nase zuhalte und dennoch atmen kann, muss ich träumen."

Sechs Teilnehmer konnten die Klartraum-Häufigkeit so innerhalb von vier Monaten auf mindestens dreimal pro Woche steigern. Die Forscher luden diese nun als Testschläfer ins Schlaflabor. Dabei zeichneten sie über Elektroden auf der Kopfhaut die Hirntätigkeit ihrer Probanden auf. "Leider kam es unter Laborbedingungen lediglich zu drei Klarträumen", bedauert Dr. Voss. "Unsere Ergebnisse sind daher nur als vorläufig zu betrachten. Wir konnten aber dennoch feststellen, dass sich während eines Klartraums die Aktivität des Stirnhirns signifikant ändert."

Ein Teil des Gehirns wacht auf, der Rest schläft weiter

Das Stirnhirn, auch frontaler Cortex genannt, ist für die kritische Bewertung von Geschehnissen zuständig. Normalerweise ist es im Schlaf weitgehend inaktiv. Daher sind wir gar nicht dazu in der Lage, die Erlebnisse im Traum zu hinterfragen. Bei Klarträumen ist das anders: Das Stirnhirn ist dabei deutlich aktiver. In den anderen Hirnbereichen ändert sich gegenüber "normalen" Träumen dagegen nichts. "Es ist, als wäre ein Teil des Gehirns plötzlich ein wenig wacher, während der Rest weiter schläft", sagt die Privatdozentin. Sie plant nun, die Studie mit mehr Probanden zu wiederholen. "Dabei wollen wir auch auf Tomographie-Untersuchungen zurückgreifen, um die Aktivität der verschiedenen Hirnregionen noch genauer messen zu können."

So vorläufig die Ergebnisse momentan auch noch sind: In der Fachwelt stoßen sie momentan dennoch auf große Resonanz. Einerseits ist es interessant, dass sich die Fähigkeit zu "Klarträumen" trainieren lässt. Menschen, die häufig unter schweren Albträumen leiden, können möglicherweise lernen, sie beim Schlaf einem "Realitäts-Check" zu unterziehen. So würden nächtliche Horrorphantasien einen Teil ihres Schreckens verlieren.

Bei manchen psychiatrischen Erkrankungen fehlt eben diese Fähigkeit zum Realitäts-Abgleich. So gehen Psychosen mit Wahnvorstellungen einher, die der Betroffene nicht von der Wirklichkeit unterscheiden kann. Im Vergleich zum Klartraum scheint hier die Situation genau umgekehrt: Der Betroffene ist wach, kann seine Phantasien aber dennoch nicht kritisch analysieren. "Vielleicht kann man diese Fähigkeit jedoch - ähnlich wie bei unseren Versuchspersonen - trainieren", hofft Ursula Voss. Falls ja, könnten die Betroffenen lernen, zwischen "wahr" und "Wahn" zu unterscheiden. (red, derStandard.at)

gastrosoph
19.08.2009 13:17
Wissenschaftliche Irritation

Was sich dauerhaft einprägt, sind manchmal nur einzelne Bilder, Farben: Blinkende Neonlichter, gefrorenes Lächeln, falsche Zähne... Ja... besser: Falsche Bewegungen... Verräumlichung des tragischen Lebens als Alb und Traum auf dem Boulevard. Alle Märchen beginnen mit einem traumatischen Ereignis. Das Nichterkannte ist dem Erkennenden auf dem Boulevard fremd. Ein Abziehbild seiner selbst, ein gänzlich unromantischer Zerrspiegel, der nichts kennt außer Katastrophe und Kitsch, die idealisierte Sensation und sein nicht-gefühltes Nichts. Hier wechselt die Sprache, der Moment der Verfremdung erscheint unbekleidet, nackt. In der Diskrepanz zwischen intensiv empfundenen Gefühlslagen und dem Ringen nach einen Ausdruck dafür, der sich nicht selten i

#!/bin/bash
19.08.2009 11:50
;) Psyhologie muss wirklich eine sehr genaue Wissenschaft sein

Na immerhin haben die Forscher Spaß daran wenn sie das Rad immer wieder neu erfinden können...

Stefan Schwertner
19.08.2009 08:50
Jedes Erkennen ist Interpretation

jedes Sehen, jedes Erkennen wird vom Gerhirn erst erarbeitet, verglichen mit gesehenem und gelernten als etwas bestimmtes gedeutet. vorallem traumatische Erlebnisse aber auch anderes Hineinsteigern kann zu Fehlinterpretationen führen. Bekannt ist es in den alternativen Wissenschaften beim Gedankenlesen, dass die nur schwach empfangbaren Gefühle erst über plausible Deutung zu Bilder werden. In so mancher Shiziphrenie werden genau die zum Gedenkenlesen wichtigen Empfindungen völlig falsch interpretiert (mit zB traumatischen Erlebnissen assoziiert), die Krankheit besteht nun v.a. dann, wenn der Betroffene sich in diese falsche interpretation hineinsteigert, fixiert und ohne massiven (auch medikamentösen) Eingriff sich nicht mehr davon entfernt

hagane
19.08.2009 08:43

Hab mich schon immer gefragt was hinter Klarträumen steckt. Vielleicht gibts auch bald mal weitere Untersuchungen, was passiert und welche Bedeutung es hat wenn man den Klartraum beeinflusst und für sich formt. Was genau lässt den frontalen cortex erwachen?
los los los... weiterforschen ich will das wissen!
Aber wird wohl noch ewig dauern :(

Joe Bazooka
 
19.08.2009 01:25
Na, bravo!

Wird Wahnsinn etwa wieder als kognitive Störung verstanden? - Der Begriff der Geisteskrankheit gehört ins 19. Jh.; die Analogie zwischen Traum und Wahn endet dort, wo auch Wahnsinnige träumen können, - und zwar selbst davon, dass sie wahnsinnig sind...

Jimmy Neutron
19.08.2009 00:58

Schlimm kann es vor allem dann sein, wenn man wach ist, aber die Realität für einen Klartraum hält. Aber vielleicht träume ich das ganze nur ...

Nick Knattertoni
19.08.2009 12:25

zwicken hilft!

keine/r
18.08.2009 23:18

Erstens: So ähnlich kennen wir das schon von Brigitte Holzinger seit ca. 15 Jahren.
Zweitens: Der Terminus "psychiatrische Erkrankung" regt in all seiner Tragik immer wieder zum Schmunzeln an.

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