Österreicher in München vor Gericht

18. August 2009, 13:09
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49-jähriger Leichtathletik-Trainer soll sich von 1990 bis 2008 an acht Sportschülern vergangen haben

Ein gebürtiger Österreicher steht wegen hundertfachen sexuellen Missbrauchs von jungen Sportlern seit Dienstag vor dem Münchner Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 49-jährigen Leichtathletik-Bundestrainer vor, sich zwischen 1990 und 2008 an insgesamt acht Sportschülern vergangen zu haben. Alle Opfer waren Buben unter 18 Jahren. Das erste Opfer, ein heute 26-jähriger Mann, war laut Anklage beim ersten Missbrauch acht Jahre alt. Dem Trainer drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis, er sitzt seit November 2008 in Untersuchungshaft.

Sein Anwalt kündigte nach einer Absprache mit dem Gericht ein Geständnis seines Mandanten an. "Er wird sich ausführlich äußern", erklärte Verteidiger Florian Schneider. Die Opfer müssten dann nicht als Zeugen aussagen. Zudem wolle sich der Angeklagte in einem Brief bei den jungen Männern entschuldigen und eine Therapie beginnen. "Er sieht die Jungs als Opfer, und es tut ihm sehr leid, was da passiert ist", sagte der Anwalt. Die meisten Opfer wollten mit dem Missbrauch nicht mehr konfrontiert werden.

300 Fälle

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 49-Jährigen vor, in etwa 300 Fällen Buben und junge Männer missbraucht zu haben, die seinen Trainingsgruppen angehörten. In 15 Fällen fügte der Mann seinen Opfern auch körperliche Verletzungen zu. So zwang er einen der Burschen im Alter von etwa neun Jahren zum Analverkehr. Laut Anklage befahl er dem Buben zu schweigen und machte ihm auch Geschenke. Allein dieses Opfer missbrauchte der Trainer laut Anklage innerhalb von sechs Jahren mindestens 215 Mal.

An den meisten der Burschen verging sich der Trainer in Sporthallen, etwa auch in der Münchner Olympiahalle. Der Mann nutzte aber auch Trainingslager, seine Wohnung und Autofahrten für sexuelle Übergriffe. Einmal missbrauchte der 49-Jährige einen Buben bei einem Besuch sogar in dessen Kinderzimmer.

Eine Bekannte des Angeklagten, die als Zuschauerin zu dem Prozess gekommen war, beschrieb den Angeklagten als offen, nett und fröhlich. Die Sportler hätten großen Respekt vor ihm gehabt, und viele hätten gehofft, von ihm als Talent entdeckt zu werden, berichtete die junge Frau. Es habe keine Missbrauchsgerüchte gegeben. "Das hat mein Weltbild zusammengeschmissen", sagte die Frau. "Wie kann man nur kleinen Jungs so etwas antun."

Nach der Absprache mit dem Gericht erklärte der Verteidiger, er rechne mit einer Strafe unter zehn Jahren. Eine Sicherungsverwahrung halte er für eher unwahrscheinlich. Für den Prozess wurden bis zum (morgigen) Mittwoch zunächst zwei Verhandlungstage angesetzt. (APA)

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