Sausgruber auf Tour - Wenn das Leben Schokolade ist

18. August 2009, 13:03
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VP-Landeshauptmann besucht im Wahlkampf das Land: Geschäfte, Musikvereine, Altersheime

Lustenau - "Hast du Sausi gesehen?" ruft ein Motorradfahrer seinem Bikerkollegen zu, als sie am Montag bei heißen 30 Grad in T-Shirts und kurzen Hosen mit ihren schweren Maschinen über den Blauen Platz in Lustenau fahren. Das Knattern der Motorräder übertönt die Antwort, da befindet sich "Sausi" längst auf der anderen Straßenseite, geht schnellen Schrittes und zielstrebig in einen Buchladen im Zentrum. "Auf einen Besuch", wie es Vorarlbergs Landeshauptmann Herbert Sausgruber nennt. Bis zur Landtagswahl am 20. September wird er noch in 14 anderen Vorarlberger Regionen Betriebe besuchen, vielen, vielen Vorarlbergern die Hand schütteln und im Rahmen seiner "LH-Tour" so viel Eigenwerbung wie möglich machen. Der Montag aber gehört Lustenau.

"Wie goht as?". Immer und immer wieder wird Sausgruber einen Nachmittag lang diese Frage stellen, höflich und interessiert, und er wird jedes Mal eine Antwort bekommen. Seine erste Station am frühen Nachmittag ist eine erfolgreiche Druckerei mit rund 80 Mitarbeitern. Man freut sich über Sausgrubers Besuch, ganz zweifellos. Die Geschäftsführerin zeigt und erklärt, der Landeshauptmann folgt. Die Mitarbeiter lächeln, wenn ihre Chefin mit dem Politiker an ihren Arbeitsplatz kommt. Jeder Einzelne wird vorgestellt, jeder Einzelne bekommt ein paar Sätze mit dem Landes-Chef - angefangen vom Mann, der schon 44 Jahre in der Firma ist, bis hin zur Ferialpraktikantin. Nach einer Stunde und einem Gespräch mit der Geschäftsführerin über die wirtschaftliche Entwicklung muss Sausgruber weiter: "Danke, ist interessant gsi!".

Voller Einsatz

Weiter heißt zum Blauen Platz, ins Ortszentrum von Lustenau. Dort besucht Sausgruber ein Spielzeug- und Kindermodegeschäft, wo er vom Geschäftsführer-Ehepaar mit einem Geschicklichkeitsspiel gleich eine knifflige Aufgabe gestellt bekommt. Der Landeshauptmann muss Kugeln in einem bestimmten Muster anordnen. Sausgruber lacht und beginnt. Mittlerweile sind auch Mitglieder seines Wahlkampfteams vor Ort. Mit einer Sofortbildkamera halten sie das Geschehen fest. Am Ende ist das Rätsel nicht gelöst, trotzdem wird der Landeshauptmann mit Seifenblasenmixtur für seine vier Enkelkinder ausgestattet.

Als Nächstes steht die Visite im Buchladen auf dem Programm, dann der kurze Abstecher in ein Sportgeschäft, anschließend der Blick in ein Schreibwarengeschäft. "Wie goht as?", fragt Sausgruber überall und erhält als Antwort, dass es einigermaßen "guat goht". "Dass ihr hier einmal bei uns hereinplatzt? Wenigstens ein Mal", freut sich die Frau im Sportgeschäft, nicht ohne sich zu entschuldigen: "Mei, mir hond so a Sauerei!". Jeder bekommt ein Erinnerungsfoto mit dem Landeshauptmann.

Landeshauptmann im Heim

Bevor Sausgruber sich auf den Weg in ein Senioren- und Pflegeheim macht, bleiben ein paar Minuten Zeit für ein Mineralwasser. Im Café, das der 63-Jährige am Blauen Platz ansteuert, sitzen bei 30 Grad nur wenige Gäste. "Wie goht as?", erkundigt sich Sausgruber erneut und verabschiedet sich von den Tischen mit einem "B'hebens frey", das man nur in Vorarlberg versteht und nicht übersetzen kann. Gemeint ist: "Lasst es euch weiter gut gehen". Als sich Sausgruber setzt, taucht plötzlich ein Mann vor ihm auf. Er hebt den Daumen, lächelt und meint: "Einer wird gewinnen!". Auch Sausgruber lächelt. Er lädt den Mann ein, Platz zu nehmen. "Schlank geworden?", fragt der Mann. "Immer gleich. Meine Frau meint das auch, aber es stimmt nicht", sagt Sausgruber freundlich.

Im Gesellschaftsraum des Seniorenheims lernt Sausgruber einige der Bewohner kennen. Einer entschuldigt sich, dass er nicht Anzug und Krawatte trägt. Er wird am Ende des Besuchs dem Landeshauptmann noch sein Zimmer zeigen. Auch die anderen sind freundlich, bis auf einen: "Es kommen gleich Wahlen. Sonst sieht man Sie nie", sagt er grantig. Sausgruber widerspricht höflich. Er gehe auch zu anderer Zeit in die Heime, auch wenn er länger nicht mehr im Lustenauer Heim gewesen sei. Und er bekommt Unterstützung von einer Pflegerin: "Hauptsache, man kriegt das Geld", sagt sie zu dem Mann, der das gleich einsieht und nur mit einem knappen "Ja" antwortet.

Sausgruber, sagt der Hausverstand

Zu Beginn der Abendveranstaltung spielt der Musikverein auf dem Blauen Platz auf. Mehrere hundert Personen - zum Großteil ÖVP-Mitglieder und Sympathisanten - sind gespannt, was der ÖVP-Chef zu sagen hat. Als Sausgruber seine bekannten Positionen darbietet, erhält er stellenweise Applaus. "Der Hausverstand ist dem Sachverstand nicht immer, aber meistens überlegen", betont Sausgruber. Da die Mobilisierung die Wahl entscheiden werde, "bitte ich Sie, in Ihrer Umgebung Gespräche zu führen". Das ist die Kernbotschaft an diesem Abend.

Weil es so heiß ist an diesem Montag, bekommen die Anwesenden außer zwei Getränken und einer Bratwurst auch ein Eis spendiert. Nach Sausgrubers Ansprache beginnt der Lustenauer Liedermacher Wolfgang Verocai mit seinen Dialektsongs. Der Landeshauptmann mischt sich unter die Leute. Viele rufen ihm "Alles Gute!" zu, eine ältere Frau überreicht ihm eine Karte mit dem Wunsch "Glück, Gesundheit und Gottes Segen". Als das Erinnerungsfoto mit Sausgruber und der älteren Dame geschossen wird, singt im Hintergrund gerade Verocai sein bekanntestes Lied "S' Läobo ischt ko Schoggi" ("Das Leben ist keine Schokolade"). In diesem Moment für manche vielleicht doch. (APA)

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    Foto: APA/STIPLOVSEK

    Landeschef Sausgruber auf Visite im Altersheim.

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