Schaeffler besorgt sich Geld

18. August 2009, 17:59
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Die durch die Continental-Übernahme angehäuften Schulden wurden so umstrukturiert, dass sie der Familienkonzern stemmen kann

Stuttgart - Der durch die Continental-Übernahme in Schieflage geratene Wälzlagerhersteller Schaeffler hat sich mit fünf Banken auf eine neue Finanzierung geeignet. Die bestehenden, zwölf Milliarden Euro schweren Kredite würden in zwei Tranchen aufgeteilt, gab Schaeffler am Dienstag bekannt. Ein Kredit sei für das operative Geschäft vorgesehen und habe eine Laufzeit von bis zu 4,5 Jahren, der andere verbleibe auf der Holding-Ebene und habe eine Laufzeit von bis zu sechs Jahren. Zudem sei die Umwandlung der Schaeffler Gruppe in eine "kapitalmarktorientierte Struktur" vereinbart worden.

"Wir haben mit der Einigung über das Finanzierungskonzept einen zentralen Meilenstein erreicht, um die Schaeffler Gruppe in den nächsten Jahren erfolgreich weiter zu entwickeln", sagte Finanzvorstand Klaus Rosenfeld. "Zugleich erfüllen wir mit dem Konzept eine weitere wichtige Voraussetzung für eine mögliche Zusammenführung der Schaeffler Gruppe mit der Continental AG."

Mit Übernahme übernommen

Mit der Übernahme des deutlich größeren Continental-Konzerns hat sich Schaeffler finanziell massiv überhoben. Der Schuldenberg des Familienunternehmens wuchs auf zwölf Milliarden Euro. Da die Verbindlichkeiten angesichts der Absatzkrise in der Autoindustrie derzeit nicht bedient werden können, musste die Familie bislang fürchten, die Kontrolle über das Unternehmen an die Banken zu verlieren. Bislang hält die Familie eine knappe Mehrheit am Unternehmen und hat zudem knapp 40 Prozent bei Banken geparkt.

Der Zusammenschluss von Continental und Schaeffler hatte von Beginn an für Aufregung gesorgt. Auf Druck der Conti-Arbeitnehmer hatte Schaeffler vergangene Woche den in Hannover selbst an der Spitze des Aufsichtsrats installierten Rolf Koerfer fallen lassen. Er soll nun in wenigen Wochen für einen aus der Auto- oder Zulieferindustrie kommenden Nachfolger Platz machen. In der Branche gilt unter anderem Ex-VW-Chef Bernd Pischetsrieder als Kandidat.

Dafür hat sich Schaeffler zuletzt bei Conti mit einer anderen Personalentscheidung durchgesetzt und einen Wechsel an der Konzernspitze erzwungen. Der bisherige Vorstandschef Karl-Thomas Neumann wurde vor wenigen Tagen mit sofortiger Wirkung durch den Schaeffler-Manager Elmar Degenhart ersetzt. Mit diesem Umbau sollte der monatelange Machtkampf ein Ende genommen haben.

Der Machtkampf und die Sorgen um die Finanzierung der Conti-Übernahme haben zuletzt auch eine Rückstufung der Bonität gebracht. Die Ratingagentur S&P hat die Kreditwürdigkeit von Continental nach der Auswechslung des Managements durch Großaktionär Schaeffler gesenkt. Das Langfristrating wurde auf "B+" zurückgenommen. Weitere Abstufungen könnten folgen: Der Status "Creditwatch negative" wurde beibehalten. "Wir glauben, dass Contis Liquiditätsrisiken steigen." Zudem sei der Spielraum gering, den Conti im zweiten Halbjahr habe, um seine Kreditbedingungen zu erfüllen, hieß es von S&P.

Gefahr für Bonitätsbewertung

Das Rating macht auch dem VW-Konzern Sorgen und ist einer der Gründe, warum die Integration von Porsche noch dauern wird. Eine rasche Eingliederung des verschuldeten Sportwagenbauers würde nämlich die Bonitätsnote von VW gefährden. VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch sagte, eine sofortige Fusion von Porsche und VW sei "nicht verdaubar". Die finanzielle Stabilität von VW solle in keiner Phase der bis spätestens 2011 geplanten Eingliederung infrage gestellt werden.

Im Kampf um Opel soll es schon bald eine Entscheidung geben - zumindest, wenn es nach Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz geht. Er rechnet mit einer Entscheidung von GM über Opel bis zum kommenden Wochenende. "Das könnte am Freitag oder am Samstag sein", sagte Reinholz am Dienstag. (Reuters, dpa, bpf, DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2009)

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    Maria-Elisabeth Schaeffler - im Bild mit Sohn Georg - kann wieder lachen. Mit den Banken wurde ein neuer Finanzplan erstellt, die Zusammenführung von Continental und Schaeffler geht somit weiter.

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