WLAN-Herzschrittmacher hält Arzt auf dem Laufenden

18. August 2009, 11:10
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Kabellose Monitoringsysteme erleichtern Patientenbetreuung

Kürzlich wurde erstmals einer Patientin in den USA ein Herzschrittmacher mit WLAN-Funktionalität eingesetzt. Das Gerät des Herstellers St. Jude Medical übermittelt aktuelle kardiologische Daten kabellos an eine Überwachungsstation, die beispielsweise in der Wohnung des Patienten aufgestellt werden kann und von der aus die Daten mindestens einmal täglich über das Internet zum behandelnden Arzt weitergeleitet werden. Die kabellose Überwachung der Patienten soll bessere Behandlungen ermöglichen und sich zum neuen Standard bei Herzschrittmachern entwickeln, hofft Steven Greenberg, Kardiologe am St. Francis Hospital in den USA. "Kabellose Kommunikation wird heute überall verwendet. Jetzt hilft sie uns, rund um die Uhr für unsere Patienten da zu sein. Das System kann so programmiert werden, dass es genau auf den Schrittmacher-Benutzer abgestimmt ist", sagt der Experte.

Warnung bei Herzrasen

Der WLAN-Schrittmacher sendet neben gerätsbezogenen Daten wie dem Batteriestand auch Warnungen bei Herzrasen und Kammerflimmern an die Überwachungsstation. Bemerkt der überwachende Arzt bedenkliche Messwerte, kann er den Patienten zur genauen Untersuchung zu sich bestellen. Grundsätzlich, so der Fachmann, gebe es Dutzende physiologische Parameter, die über den Herzschrittmacher ausgelesen und über das Internet an den Arzt geschickt werden könnten. "In der Zukunft könnten auf ähnliche Art und Weise auch Patienten mit Bluthochdruck oder Blutzucker überwacht werden", sagt er.

Erstmals WLAN statt GSM

Das kabellose Überwachen von Herzschrittmacher-Patienten ist dabei keine Neuheit. Nur die Verwendung von WLAN gab es bisher noch nicht. "Patientenüberwachung über das GSM-Netz gibt es von Biotronik schon seit 2001, mittlerweile haben auch andere Hersteller solche Geräte im Angebot. St. Jude sind aber vermutlich die ersten mit WLAN statt GSM", sagt ein Wiener Kardiologe. Dort teste man bereits seit 2001 entsprechende Gerätschaften. Zumeist im Rahmen von Studien, da bislang noch nicht geklärt ist, wer die Kosten für die Fernüberwachung der Schrittmacherpatienten übernehmen soll.

Daten an Servicecenter

Im Fall der Biotronik-Geräte werden die Patientendaten - dank einer kürzlich fixierten Kooperation mit dem Telemedizinprovider Vitaphone - in regelmäßigen Abständen an ein rund um die Uhr besetztes Service-Center gesendet, von wo die Daten an die behandelnden Ärzte weitergeleitet werden. Eine automatische Alarmfunktion ist in diese Monitoring-Systeme jedoch nicht integriert. Die Überwachung der eingehenden Daten erfolgt durch Ärzte und medizinisches Personal im Service-Center, von wo aus bei bedenklichen Messwerten dann Notfallmaßnahmen eingeleitet werden können.

Akkustand wird abgelesen

Für Patienten sollen Wireless-Monitoring-Systeme vor allem ein Plus an Komfort bringen. Mussten die weltweit rund drei Mio. Herzschrittmacher-Patienten bislang beispielsweise zur Kontrolle des Akkustands den Arzt besuchen, kann der aktuelle Ladestand nun direkt an den Arzt gesendet werden. "Dank des neuen Schrittmachers kann ich nun nachts besser schlafen. Ich weiß, dass das Gerät meinen Arzt informiert, wenn es Probleme gibt", sagt Carol Kasyjanski, die den Wi-Fi-Schrittmacher kürzlich als erste implantiert bekam. Auch Ärzte sehen die Entwicklung positiv. "Monitoring-Systeme sollen vor allem die Nachsorge erleichtern. Wenn ich etwas Verdächtiges sehe, kann ich den Patienten anrufen", so der Wiener Kardiologe. Ob sich WLAN als Übertragungsstandard bei Herzschrittmacher-Messwerten gegenüber dem quasi überall verfügbaren GSM durchsetzen wird, muss die Zukunft zeigen. (pte)

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